Letztes Update am So, 26.06.2016 10:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


styriarte: Straffe Beethoven-Symphonien unter Karina Canellakis



Graz (APA) - Der Beethoven-Zyklus bei der styriarte mit dem Concentus Musicus war ein großer Wunsch von Nikolaus Harnoncourt gewesen, doch es kam aufgrund seines Todes anders. So ist am Samstag die junge Dirigentin Karina Canellakis am Pult des Originalklang-Ensembles gestanden und hat ihre Sache bei Beethovens erster und achter Symphonie mit Präzision und Hervorhebung von Details gut gemacht.

Intendant Mathis Huber würdigte zu Beginn noch einmal Nikolaus Harnoncourt (1929-2016) und seine Verdienste um das Festival, das für ihn 1985 ins Leben gerufen worden ist. Die Politik, so Huber, hätte nicht gewusst, worauf sie sich da eingelassenen habe, denn „die Neuerwerbung war widerständig aus Prinzip.“ Der Beethoven-Zyklus hätte ein „unvergessliches Mammut-Projekt“ sein sollen, und der Maestro habe „die Wette um das Überleben“ angenommen. „Er ist nicht mehr da, seine unwiederbringlichen Lesarten sind Geschichte“, so Huber, denn Harnoncourt „ist uns, wie so oft, vorausgegangen.“

Karina Canellakis hatte unter diesen Vorzeichen keine leichte Aufgabe, es war ihre erste Arbeit als Dirigentin mit einem Originalklang-Ensemble. Der Gesamteindruck ist deutlich anders als mit einem normalen Orchester, es gibt in Lautstärke und Klangfarben ganz andere und weniger Möglichkeiten.

Bei der ersten Symphonie startete Canellakis flott und setzte zu Beginn einige überraschend dunkle Akzente, gleichzeitig waren die Hörner schön herausgearbeitet. Zu Beginn des zweiten Satzes zeigte sich die Stärke der alten Instrumente , wenn die Streicher und die Holzbläser ganz wunderbar harmonieren und einen samtigen Klang erzeugen. Im dritten Satz gibt es ein Drängern und ein Fordern, doch auch die stürmischen Passagen gerieten nicht übermäßig laut, während sie am Ende des Werks nach tänzelnd-leichten Tönen ordentlich aufdreht.

Mit Feuereifer stürzte sich die Dirigentin dann in die achte Symphonie, kräftige Akzente wechselten sich mit duftigen Tönen wie den Flöten im ersten Satz und dem flirrenden Beginn des vierten ab. Im zweiten Satz waren schön aufgefächerte Details zu hören, der Schluss brach dann so abrupt ab, dass es fast wie ein Frage wirkte. Der dritte Satz hatte durch seine Getragenheit einen nahezu barocken Klang, während die Heiterkeit des vierten Satzes einen nervösen Unterton aufwies, der erst vom auftrumpfenden Blech am Ende relativiert wurde.

Canellakis dirigiert auch noch die Symphonien Nr.2 und 7, die Nummern 3 und 6 übernimmt Jeremie Rhorer und die Neunte leitet Andres Orozco-Estrada.

(S E R V I C E - http://www.styriarte.com)




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