Letztes Update am Fr, 19.08.2016 05:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Causa Glücksspiel 3 - „Automatenjäger“ hat guten Kontakt zu Novomatic



Wien/Gumpoldskirchen (APA) - In das Gesetzesvorhaben involviert war auch „Automatenjäger“ Gert Schmidt, wie dieser unlängst in einem anderen Zivilverfahren in Graz zu Protokoll gab. „Ich habe mit Herrn Hochegger nie etwas zu tun gehabt, als ich mich in das Gesetzgebungsprojekt 2005/2006 einbrachte“, sagte Schmidt am 22. Juni 2016 am Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz.

In dem Verfahren ging es darum, ob der Grazer „Schutzverband gegen unlauteres Glücksspiel“ bestimmte Aussagen gegen Schmidt machen darf. Schmidt hatte den Verband auf Unterlassung geklagt und sich auch zunächst durchgesetzt; Ende Juli 2016 erging eine einstweilige Verfügung.

Schmidt bestätigte in dem Verfahren, gute Kontakte zu Novomatic-Gründer Johann Graf zu haben. Kennengelernt habe er ihn 1981, als er beim „Trend“ als Journalist tätig gewesen sei und eine Titelseite gebracht habe.

Auch zum verstorbenen langjährigen Casinos-Austria-Chef Leo Wallner hatte Schmidt im Jahr 1966 Kontakt, wie er sagte. Er und Wallner hätten einen Spielerschutzverein ins Leben gerufen, den die Casinos Austria finanziert hätten. Ab 2005 oder 2006 hätten sie die Medien und Behörden auf die hohe Zahl der illegalen Glücksspielgeräte aufmerksam gemacht. Auch Eingaben an das Finanzministerium habe man gemacht.

„Im Jahr 2009 haben wir, damit meine ich mein Unternehmen, damit meine ich immer die erstklagende Partei, Herrn Sochowsky die Homepage spieler-klage.at um 12.000 Euro oder vielleicht auch 22.000 Euro, genau weiß ich das nicht mehr, abgekauft. Diese Homepage haben wir stillgelegt und stattdessen die Seite www.spieler-info.at ins Leben gerufen“, gab Schmidt weiters zu Protokoll. „Damals haben wir Herrn Sochowsky auch Zessionen im Wert von rund 900.000 Euro, das war zumindest der Kaufpreis, Herr Sochowsky behauptete einen höheren Wert, abgekauft. Es handelte sich dabei um Forderungen von Spielern gegenüber der Novomatic“, erklärte er weiters.

Warum man das gemacht habe? „Herr Sochowsky hat in den Medien einen großen Wirbel mit seinem Projekt gemacht und der Novomatic sehr geschadet. Aus Eigeninitiative habe ich mich damals an Herrn Sochowsky gewendet.“ Schmidts Motiv: „Das war von mir eine gute Tat für die Novomatic. Der Hintergrund war schon, dass ich gute Kontakte zu Herrn Graf hatte und daraus ein Geschäft machen wollte.“

Mit der Glücksspiel-Affäre hat sich im Jahr 2012 bereits der parlamentarische Untersuchungsausschuss befasst. Dabei ging es nicht nur um die Bemühungen des Automatenkonzerns Novomatic und der teilstaatlichen Telekom Austria zur Lockerung des Monopols, sondern auch um eine Mini-“Studie“ über „Responsible Gaming“, für die der ebenfalls teilstaatliche Casinos-Austria-Konzern 300.000 Euro an eine BZÖ-eigene Werbeagentur zahlte.

In der Telekom-Affäre wiederum geht es um TA-Zahlungen in Richtung BZÖ via Mittelsmann Peter Hochegger. Weil er vorige Woche einer Verhandlung dazu in Wien ferngeblieben war, wurde Hochegger diese Woche in U-Haft genommen. Hochegger ist darüber hinaus eine Schlüsselfigur im Buwog-Verfahren rund um die Privatisierung der Bundeswohnungen im Jahr 2004 unter Finanzminister Karl Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP). Nach siebenjährigen Ermittlungen hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ende Juli 2016 diesbezüglich eine - nicht rechtskräftige - Anklage gegen Grasser, Hochegger, Walter Meischberger und mehr als ein Dutzend weiterer Beschuldigter wegen Korruptionsverdachts eingebracht; dazu liegen bereits mehrere Einsprüche vor.

~ WEB http://www.novomatic.com

http://www.casinos.at

http://www.bzoe.at ~ APA059 2016-08-19/05:00




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