Letztes Update am So, 21.08.2016 09:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klezmer-Entdecker, Pop-Mastermind, Kunstvernetzer: Edek Bartz wird 70



Wien (APA) - Wenige in Wien haben die Mechanik der Popkultur und der Gegenkultur so gleichzeitig zu bedienen gewusst wie Edek Bartz. Er war Musiker, Wiederentdecker des Klezmer, Autor, Kurator, Konzertveranstalter, Tour-Manager, Kunstvernetzer, Plattenladenbesitzer und manches mehr, war immer Weltbürger und doch auch Wiener. Am Mittwoch wird er 70 Jahre alt.

Schon im Frühling dieses Jahres wurde der Musiker Edek Bartz wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt - das vierte und letzte Album seines jiddischen Duos Geduldig & Thimann mit dem Titel „A haymish groove“ wurde gemeinsam mit New Yorker Musikern neu bearbeitet und auf Vinyl herausgebracht. Edward Geduldig, das war sein Künstlername und Albert Thimann der seines Freundes Albert Misak - beide benutzten den Mädchennamen ihrer Mutter, um sich auf die Spuren chassidischer Musiktraditionen zu begeben. Der Klezmer-Boom kam später, in den 70er Jahren leisteten Bartz und Misak Pionierarbeit.

Geboren wurde Edek Bartz in der Stadt Karaganda in Kasachstan, in einem russischen Internierungslager, und wuchs später im polnischen Waldenburg auf. Seine Mutter war ursprünglich Wienerin, in der Nazi-Zeit geflohen, und kehrte 1958 mit ihrem Sohn zurück, als sie eigentlich auf dem Weg war, nach Israel zu emigrieren. Das Wienerische, insbesondere das Sudern und Keppeln, ist ihm stets fremd geblieben, sein Horizont erreichte auch beruflich rasch globale Dimension. Zurückgekehrt in die Heimat seiner Mutter ist er trotzdem immer.

Für seine persönliche Wichtigkeit seien Kunst und Musik etwa gleichzeitig in sein Leben getreten, sagte Bartz später. Beruflich wandte er sich zunächst der Musik zu, arbeitete bei einer Konzertagentur und betreute dort Pop-Größen wie Bob Dylan, Jimi Hendrix, die Rolling Stones oder Frank Sinatra, mit denen er auf Tour ging oder Wien-Aufenthalte managte. Als Fachmann für Massenerfolge wurde er später hinzugezogen, um einen gewissen Hans Hölzel zu Ruhm zu verhelfen und dessen Kunstfigur des Falco ästhetisch nachzuschärfen. Bartz wurde zum Tour-Manager, zum Begleiter des Aufstiegs - und des Niedergangs.

Pop und Klezmertradition, Massen- und Gegenkultur wusste Bartz stets zu vereinen. Sein Plattenladen in der Ballgasse war in den 80er Jahren Treffpunkt einer vielgestaltigen Avantgarde, gemeinsam mit dem späteren langjährigen Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos konzipierte er ab den frühen 80ern das Musik-Festival „Töne - Gegentöne“ im Rahmen der Wiener Festwochen und gründete mit ihm auch die New-Wave-Band „Leider Keine Millionäre“. Er organisierte die Vienna Jewish Festival Week, startete seine Laufbahn an der Angewandten als Assistent und später Lektor und baute sich als Naturtalent des Vernetzens ein zweites Standbein in der zeitgenössischen Kunst auf.

Von 2005 bis 2009 leitete er die zeitgenössische Wiener Kunstmesse Viennafair mit ihrem Schwerpunkt auf Mittel- und Osteuropa und bemühte sich in dieser Funktion umtriebig um Entdeckungen aus der osteuropäischen Szene. Als Kurator von Ausstellungen war er auch darüber hinaus tätig, etwa im jüdischen Museum oder an der Angewandten, wo er jedes Jahr die Abschlussausstellung „The Essence“ gestaltet.




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