Letztes Update am So, 21.08.2016 18:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Island und die Unabhängigkeit der baltischen Staaten



Riga/Reykjavik (APA/dpa) - Vor einem Vierteljahrhundert haben sich die baltischen Staaten in den Wirren des Umsturzversuchs in Moskau endgültig von der Sowjetunion losgesagt. Als erstes westliches Land erkannte Island damals die Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen an und nahm im August 1991 formal diplomatische Verbindungen mit den drei heutigen EU- und NATO-Mitgliedern im Nordosten Europas auf.

„Der baltische Weg zur Freiheit schien die westlichen Führer damals unvorbereitet zu erwischen“, erinnert sich der frühere isländische Außenminister Jon Baldvin Hannibalsson an die Umbruchszeit vor 25 Jahren. Es habe damals keine Politik gegenüber den baltischen Staaten gegeben, sagte der von 1988 bis 1995 als Chefdiplomat amtierende Sozialdemokrat am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Riga.

In der Hoffnung auf ein Ende des Kalten Kriegs sei vom Westen damals alles auf eine Person gesetzt worden - den damaligen sowjetischen Reformpräsidenten Michail Gorbatschow. Deshalb sei nichts gesagt oder getan worden, was dessen Position gefährden könnte. „Diese Politik beruhte auf einem sehr naiven und oberflächlichen Verständnis der politischen Realität in der Sowjetunion“, bemängelte Hannibalsson.

Trotz vieler Zugeständnisse habe Gorbatschow seine rote Linie damals an den Grenzen der Sowjetunion gezogen. Deshalb habe Island das Unabhängigkeitsstreben der 1940 von Moskau annektierten Baltenstaaten unterstützt. Damit „bekamen sie das Gefühl, dass sie zumindest einen Freund in der Welt hatten“, sagte der 77-jährige Hannibalsson am Rande einer Feier zum 25. Unabhängigkeitstag von Lettland.

Islands Engagement haben Estland, Lettland und Litauen bis heute nicht vergessen. In den Hauptstädten der drei Baltenstaaten sind zentrale Straßen oder Plätze nach dem Inselstaat benannt.




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