Letztes Update am So, 21.08.2016 19:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia: Österreicher-Bilanz in Rio de Janeiro nach Sportarten



Rio de Janeiro (APA) - Mit einer Bronzemedaille im Segeln fand Österreich Aufnahme in den Medaillenspiegel der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die Erwartungshaltung war weit größer, viele Athleten bewegten sich in ihrem Leistungsbereich, manche überraschten, einige enttäuschten schwer. Eine Bilanz der APA - Austria Presse Agentur.

BADMINTON: Gemeinsam fünf Spiele und kein Satzgewinn - das Abschneiden von Elisabeth Baldauf und David Obernosterer war wenig berauschend. Die für sie neuen olympischen Ablenkungen, die ungewohnte Beeinträchtigung durch die wehende Klimaanlage und die fehlende Matchpraxis gegen Topleute gaben die beiden Vorarlberger als Hauptgründe für die 0:2-Niederlagen an.

BOGENSCHIESSEN: Schon die Qualifikation der gebürtigen Luxemburgerin Laurence Baldauff war ein Erfolg, die erste einer Österreicherin in diesem Sport seit 1984. Stunden vor der Eröffnung war sie in der Platzierungsrunde im Mittelpunkt gestanden, in der ersten K.o-Runde kam gegen die Olympia-erprobte Inderin Bombayla Devi Laishram mit 2:6 das Aus. Die 41-jährige Baldauff denkt nun daran, mit dem Bogenschießen aufzuhören.

FECHTEN: Florettfechter Rene Pranz brachte seinen Angriff nicht durch und verlor nach umkämpften 27 Minuten sein erstes Gefecht. In der Vorbereitung und Qualifikation habe er um Welten besser gefochten, gab er sich selbstkritisch.

GEWICHTHEBEN: Olympia-Neuling Sargis Martirosjan landete im durch Dopingfälle ausgedünnten Feld der Klasse bis 105 kg mit persönlicher Zweikampfbestleistung an der elften Stelle. Mit dem eigenen Rekord erreichte er zwar eines der selbstgesteckten Ziele, der Vorstoß unter die besten sechs misslang aber deutlich.

GOLF: Bernd Wiesberger startete schlecht ins erste Olympiaturnier seit mehr als 100 Jahren. Der mit hohen Ambitionen angetretene Burgenländer steigerte sich im nicht topbesetzten Feld von 60 Spielern aber immerhin noch deutlich auf den elften Endrang. Außenseiterin Christine Wolf begann im Damenturnier stark, nach Runden von 71 und 69 folgten allerdings schwache 77 und 76. 25 Schläge hinter der Siegerin wurde sie 43.

JUDO: Nur als Außenseiter nach Rio gereist waren die Routiniers. So verloren Sabrina Filzmoser (bis 57 kg) und - nach nur 27 Sekunden - Ludwig Paischer (bis 60 kg) denn auch ihren ersten Kampf, ebenso wie Debütant Daniel Allerstorfer (über 100 kg). Die 24-jährigen Neulinge Bernadette Graf (bis 70 kg) als Fünfte und Kathrin Unterwurzacher (bis 63 kg) als Siebente schrieben an, hatten sich jeweils aber mehr erhofft. Im technisch-taktischen Bereich gilt es noch zu arbeiten.

KANU: Im Wildwasserkajak-Einer verpasste Mitfavoritin Corinna Kuhnle als Fünfte wie schon 2012 die erhoffte Medaille. Der erst 19-jährige Debütant Mario Leitner legte als 13. eine weitere Talentprobe ab. Die wegen der russischen Doping-Causa erst Ende Juli nominierten Flachwasserpaddlerinnen verpassten die Finalläufe. Viktoria Schwarz belegte im Kajak-Einer über 200 m nach einer schweren Verletzung im Vorfeld Rang 21. Ana Roxana Lehaci/Yyonne Schuring wurden im Zweier über 500 m Elfte. Im Einer trat die dort aussichtsreichere Schuring wegen einer Erkrankung nicht mehr an.

LEICHTATHLETIK: Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger als hervorragender Sechster war ein Höhepunkt im ÖOC-Team. Siebenkampf-EM-Bronzemedaillengewinnerin Ivona Dadic (21.) und Zehnkämpfer Dominik Distelberger (19.) blieben unter den Erwartungen. Hürdensprinterin Beate Schrott als Vorlauf-45. rechtfertigte ihre Nominierung nicht. Andrea Mayr lief am Sterbetag ihres Vaters das emotionalste Rennen ihres Lebens (64.). Jennifer Wenth bekam über 5.000 m den Finalaufstieg nach Protest geschenkt, war erwartungsgemäß auf verlorenem Posten, wurde als 16. aber nicht Letzte und blieb unter 16 Minuten.

PFERDESPORT - DRESSUR: Victoria Max-Theurer musste im letzten Moment auf Ersatzpferd Della Cavalleria umsatteln. Die 13-jährige Oldenburgerstute ging international erst ihren fünften Grand Prix. Das Duo hinterließ einen starken Eindruck, viel mehr als Rang 33 war aber nicht drinnen und nicht realistisch gewesen.

RADSPORT - STRASSE, MOUNTAINBIKE: Im Zeitfahren lieferte Georg Preidler als 16. eine gute Vorstellung ab. In den von schweren Stürzen gekennzeichneten Straßenrennen gab es für ihn als 44., für Stefan Denifl (Aufgabe) und Martina Ritter (46.) aber erwartungsgemäß nichts zu holen. Im Cross-Country-Mountainbike-Bewerb am Schlusstag musste Alexander Gehbauer nach einem schweren Sturz aufgeben.

RINGEN: Im Viertelfinale war für Amer Hrustanovic in der griechisch-römischen Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm Endstation. In Anbetracht der Auslosung landete er mit Rang zehn im Bereich seiner Möglichkeiten.

RUDERN: Europameisterin Magdalena Lobnig kam bei ihren ersten Sommerspielen wie erhofft ins Einer-Finale, in dem sie sich aber mit dem sechsten und letzten Platz begnügen musste. Für Bernhard und Paul Sieber im Leichtgewichts-Doppel-Zweier setzte sich ihre enttäuschende Saison fort. Die selbst ernannten Gold-Aspiranten landeten nach verpasstem Einzug in den Endlauf im B-Finale auf dem letzten Platz. Das ergab den enttäuschenden zwölften Gesamtrang.

SCHIESSEN: Der fünfte Platz von Olivia Hofmann im Luftgewehr war einer der positiven Überraschungen für Rot-weiß-rot. Die Tirolerin verpasste im Dreistellungsmatch als Zehnte das Finale nur hauchdünn, von ihren drei ebenfalls erstmals bei Sommerspielen angetretenen männlichen Teamkollegen gelang Alexander Schmirl als Luftgewehr-15. der beste Auftritt. Skeet-Schütze Sebastian Kuntschik kam bei seinem Debüt nicht über Rang 26 hinaus.

SCHWIMMEN - BECKEN, SYNCHRON, WASSERSPRINGEN: Die Synchronschwimmerinnen Anna Maria und Eirini Marina Alexandri überzeugten im Duett mit dem Finaleinzug, wurden da Zwölfte. Einen schlechten Tag bei widrigen bis irregulären Windbedingungen erwischte Wasserspringer Constantin Blaha vom 3-m-Brett, er wurde lediglich 27. Bei den Becken-Schwimmern ist bei acht Starts durchwegs im Vorlauf Endstation gewesen. Am besten des Sextetts schnitt Felix Auböck ab. Über 200 m Kraul verpasste er das Semifinale nur um wenige Hundertstel, über 400 m ging er nach einem mutigen Anfangstempo „blau“ und wurde 25. Das Linz-Quartett Lisa Zaiser (26.), Jördis Steinegger (29.), Lena Kreundl (30.) und David Brandl (40.) blieb ebenso klar über seinen Bestleistungen wie Birgit Koschischek (39).

SEGELN: Der Nacra 17 mit Thomas Zajac/Tanja Frank gewann mit Bronze die einzige Medaille für das ÖOC-Team in Rio, womit die vermeintlich schwächste Karte des Segelteams stach. Die in den vergangenen Jahren so überragend gesegelten 470er-Damen Lara Vadlau/Jolanta Ogar (9.) enttäuschten ebenso wie die 49er Nico Delle Karth/Niko Resch (12.), die es nicht einmal in das Medal Race schafften. Die 470er Matthias Schmid/Florian Reichstädter wurden Achte.

TENNIS: Mit zwei Siegen ins Viertelfinale vorgestoßen, durften Oliver Marach und Alexander Peya schon ein bisschen mit einer Medaille spekulieren. Gegen Marc Lopez/Rafael Nadal waren der Steirer und der Wiener bei einem 3:6,1:6 aber überfordert, die Spanier marschierten danach bis zum Titel durch.

TISCHTENNIS: Zwei fünfte Plätze im Teambewerb können sich sehen lassen. Die Damen Liu Jia, Sofia Polcanova und Li Qiangbing zeigten mit einem 3:1-Sieg gegen die Niederlande auf, im Viertelfinale gegen Japan reichte es nur zum Gewinn zweier Sätze. Stefan Fegerl, Robert Gardos und Daniel Habesohn jubelten über ein 3:1 gegen Portugal, unterlagen aber Deutschland 1:3. Enttäuschend das Einzel, es gelang nur Liu Jia ein Sieg. Sie wurde Neunte.

TRIATHLON: Übermannt von seinen olympischen Emotionen ist bei Thomas Springer wenig zusammengelaufen, er wurde 47. Schwer enttäuscht haben auch Österreichs Frauen, Sara Vilic wurde nur 37., Julia Hauser wurde auf der Radstrecke überrundet und aus dem Rennen genommen.

TURNEN - KUNSTTURNEN, RHYTHMISCHE GYMNASTIK: Ein Sturz am Ende der Stufenbarren-Kür kostete Lisa Ecker eine höhere Punktezahl und bessere Platzierung als Rang 43. Gymnastin Nicol Ruprecht wurde nach fehlerfreier Leistung von den Wertungsrichtern nur mit 67,748 Punkten und Platz 20 bedacht und konnte dies nicht nachvollziehen.

VOLLEYBALL - BEACH-VOLLEYBALL: Die beiden österreichischen Herren-Duos schieden im Achtelfinale aus. Die höher eingeschätzten Clemens Doppler/Alexander Horst scheiterten in der ersten K.o.-Runde an einem stark aufspielenden kubanischen Team. Die Routiniers hatten davor in der Gruppenphase aber einen Prestigeerfolg gegen die brasilianischen Weltmeister und schließlich auch Olympiasieger Alison/Bruno gefeiert. Alexander Huber/Robin Seidl durften mit geteiltem neunten Rang hingegen zufrieden sein, für die Außenseiter war gegen das starke US-Duo Dalhausser/Lucena erwartungsgemäß Endstation.




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