Letztes Update am So, 21.08.2016 20:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alpbacher Gesundheitsgespräche 2 - „Typen“ aus DNA konstruierbar



Alpbach (APA) - Beklemmend sind die Aussichten, welche bei der Eröffnung der Alpbacher Gesundheitsgespräche Sonntag am späten Nachmittag die US-Künstlerin Heather Dewy-Hagborg darstellte. Der Mensch ist mit seinen DNA-Spuren überall auffindbar, reproduzierbar.

Dewy-Hagborg durchstreifte New York City auf der Suche nach DNA-Material. Ein weggeworfener Kaugummi, Speichelreste an einem Papp-Kaffetrinkbecher etc. Durch Integration der modernsten Erkenntnisse der Genforschung kam sie dazu, Porträt-Masken aus dem 3D-Printer mit den Charakteristika aus dem Genom zu produzieren. Das ging so weit, dass sie das auch für die zu 35 Jahren Haft verurteilten US-Whistleblowerin Chelsea Manning tat, die ja im Gefängnis „unsichtbar“ gehalten wird.

Das Beunruhigende: „Mit ‚Snapshot Prediction Results‘ gibt es ein Unternehmen, das Gesichtsrekonstruktionen bereits für Polizeibehörden durchführt“, berichtete die Künstlerin. Und die liefen alle in Richtung Klassifikation und Typisierung nach Aussehen, Rasse, Geschlecht. Die Antwort der engagierten Kritikerin dieser Aktivitäten: Sie entwickelte zwei Kits, mit denen man die ständige Verfolgbarkeit via DNA beenden könnte. Ein Spray für harte Oberflächen zum Beseitigen von Spuren und der zweite mit DNA zur Vernebelungstaktik.

„Aber woher kommt dann wieder die DNA, die ich da verwende?“, fragte sich Heather Dewey-Hagborg. Ihre Antwort: „Mittlerweile stehen wir alle schon zum Verkauf (von Genomdaten etc.; Anm.).“ Der Präsident des Verbandes der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), Martin Munte, betonte jedenfalls bei der Eröffnung der Alpbacher Gesundheitsgespräche, dass weiterhin der Mensch im Mittelpunkt des Gesundheitswesens stehen müsse.

Kritisch äußerte sich Calum Mackellar, Forschungsdirektor des Schottischen Rates für humane Bioethik. „Was immer man tut, es muss im Rahmen des internationalen Rechts geschehen“, sagte er mit Hinweis auf Menschenrechtskonvention, UNO-Charta und EU-Übereinkünfte. Demnach dürften auch keine Eingriffe in die Keimbahn durchgeführt werden, die allein auf deren Veränderung abziele. „Wenn jemand Gene eines Spermiums oder einer Eizelle ‚editiert‘ und verändert, entsteht nicht das gleiche Lebewesen“, betonte er. Aber alle Menschen - egal wie ihre Charakteristika aussehen - haben den Anspruch darauf, gleich in Würde geboren und aufgenommen zu werden.




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