Letztes Update am Mo, 22.08.2016 08:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia: Viele ungeklärte Zukunftsfragen in Österreichs Rio-Team



Rio de Janeiro (APA) - Mit den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro haben auch einige österreichische Athleten ihre große internationale Karriere beendet. So die Judokämpfer Sabrina Filzmoser (36) und Ludwig Paischer (34), die wohl noch im Laufe des Jahres endgültig Abschied vom Leistungssport nehmen werden. Jüngere hingegen wollen abwarten, wie geneigt ihnen das Fördersystem sein wird.

Nach ihrer enttäuschenden Erstrundenniederlage erklärte Filzmoser, dass sie nun etwas Abstand brauche. Ihr Herz liegt beim Entwicklungsprojekt in Nepal und Bhutan. „Die Leute sehen, dass ich andere Gedanken auch noch habe. Und eine Lösung für das Leben danach“, sagte die Oberösterreicherin, die wie Paischer in ihrer Laufbahn viele Medaillen gewonnen und sich nicht festgelegt hat, ob jener in Rio der letzte Kampf war.

„Ein, zwei Turniere, mehr kann ich mir nicht mehr vorstellen“, merkte der Salzburger Paischer an. „Ich bin zu alt. Es muss der Kopf mitspielen, es muss der Körper mitspielen. Es ist jeden Tag Quälerei. Ich habe das 16 Jahre gemacht. Das muss man realistisch sehen. Als Sportler hat man, so hart das klingt, ein Ablaufdatum.“

Die 41-jährige Bogenschützin Laurence Baldauff wird die Spiele 2020 in Tokio eher auch nicht mehr in Angriff nehmen. „Ich habe auch andere Interessen“, sagte sie. Vielleicht macht sie die Trainerausbildung. Flachwasser-Kanutin Yvonne Schuring (38) möchte die Verbands-Neuwahlen abwarten und erst im Winter über ihre sportliche Zukunft entscheiden. Den letzten Marathon ihrer Karriere bestritten hat Andrea Mayr (36), ihr Fokus liegt auf dem Berglauf. „Aber ich habe gehört, dass Skibergsteigen wahrscheinlich olympisch wird. Das kann man noch mal ausprobieren“, meinte die Ärztin.

Die letzten Sommerspiele bestritt die 33-jährige Schwimmerin Jördis Steinegger. Die Beach-Volleyballer Clemens Doppler (35) und Alexander Horst (33) haben noch nicht entschieden, wie es weitergeht. Heim-WM 2017 in Wien, Olympia 2020 in Tokio - beides sind noch Optionen. Doppler deutete das Weitermachen an. „Die Tendenz geht in Richtung weiter. Speziell wegen der Heim-WM im nächsten Jahr. Vielleicht ist Tokio 2020 ein Thema, aber jetzt nicht.“

Turnerin Lisa Ecker ist erst 23, sie hat aber vor den Sommerspielen angekündigt, dass sie heuer ihre Karriere beenden und einen Beruf erlernen wird. Die Olympia-43. relativierte diese Aussage in Rio aber etwas. „Ich werde jetzt auf jeden Fall mal eine Pause machen, ich denke Monate. Ich glaube, dass ich das Turnen noch nicht ganz abschreiben kann.“ Von den Tischtennisspielern sind Liu Jia mit 34 und Robert Gardos mit 37 Jahren die Ältesten, ans Aufhören denken sie noch nicht. Wie lange es noch geht, ist jedoch offen.

Zu den ältesten Olympiateilnehmern Österreichs zählten die Tennisspieler Alexander Peya und Oliver Marach, die jeweils 36 sind und im Doppel Fünfte wurden. Fix ist nichts, aber Marach ist auf den Geschmack gekommen: „Vielleicht spiele ich in vier Jahren noch. Ich habe heuer ein ziemlich gutes Jahr auf der ATP-Tour. Da verdiene ich mein Brot und Geld und versuche, meine Familie zu ernähren. Solange es geht, spiele ich.“

Ein Fragezeichen steht hinter allen acht Seglern, die in Rio angetreten sind. Die routinierten 470er Matthias Schmid (35)/Florian Reichstädter (36) und 49er Nico Delle-Karth (32)/Nikolaus Resch (31) müssen abwarten, wie und ob es im Bundesheer für sie weitergehen wird und welche Bootsklassen in Tokio 2020 olympisch sind.

„Ich finde, ich habe es mir verdient, selbst zu entscheiden, ob ich weitermache oder nicht. Ich habe in zwölf Jahren dem Bundesheer so viel zurückgegeben“, meinte Delle Karth. „Bleiben wir im Bundesheer, oder hauen sie uns raus? Und gibt es Team Rio (dann Team Tokio/Anm.) weiter? Wir sind in einem Alter, es muss halbwegs durchfinanziert sein. Ich habe keine Lust mehr, 200 Tage im Jahr im Auto zu schlafen und mit der Hand in den Mund zu leben“, sagte Schmid,

Abhängig von der Förderung machen es im 470er auch Lara Vadlau (22)/Jolanta Ogar (34). Sie wollen unbedingt weiter gemeinsam segeln, würden bei Änderungen auch die Klasse wechseln. Die Besatzung des bronzenen Nacra 17 könnte hingegen getrennte Wege gehen. Vorschoterin Tanja Frank (23) will ans Steuer, Steuermann Thomas Zajac (30) kämpft täglich mit Schmerzen, die Folge eines Kletterunfalls 2009.

„Ich möchte jetzt nach Hause kommen, alles verarbeiten und mir dann Gedanken machen, wie es weitergeht“, sagte Frank. „Mein Plan reichte bis zum Medal Race. Es ist komplett offen, ich nehme mir die Zeit zu schauen, wie es weitergeht“, erklärte Zajac.




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