Letztes Update am Mo, 22.08.2016 10:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alpbacher Gesundheitsgespräche 2 - Screening-Effekte oft übertrieben



Alpbach (APA) - Ein anderes Beispiel für Mythenbildung seien die oft übertriebenen Effekte von Screeningprogrammen auf Krebserkrankungen, sagte Diana Miglioretti von der Abteilung für Biostatistik der Universität von Kalifornien. „Da gibt es den Mythos von Frauen, dass das Mammografie-Screening ihr Leben gerettet hätte. Es rettet eine von zehn Frauen, bei denen dadurch ein Mammakarzinom entdeckt worden ist.“

Doch auch das umgekehrte Pauschalurteil, dass das Mammografie-Screening überhaupt nichts bringe, sei falsch, führte die Expertin aus: „In manchen Altersgruppen rettet es Menschenleben.“ Die Wahrheit liegt immer irgendwo zwischen euphorischen Erwartungen und ultrapessimistischem Nihilismus.

Dass eine Reduktion des Sterberisikos um 50 Prozent durch eine neue onkologische Therapie bei einem Gesamtrisiko von zehn Prozent eben nur vier bis fünf Prozent ausmacht, stellte die deutsche Gesundheitswissenschafterin Ingrid Mühlhauser (Hamburg) dar. Sie verwendete dabei das Beispiel des monoklonalen Antikörpers Herceptin und eine Patientenkampagne in Großbritannien, die für die Erstattung dieses hoch wirksamen Medikaments durch das staatliche Gesundheitssystem eintrat. Mühlhauser erwähnte nicht, dass gerade in Großbritannien die Fünf-Jahres-Überlebensraten bei Krebs oft deutlich schlechter sind als in anderen west- und nordeuropäischen Staaten.




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