Letztes Update am Mo, 22.08.2016 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lehre abgebrochen - 4.800 junge Deutsche in assistierter Ausbildung



Nürnberg/Berlin (APA/dpa) - Das von der deutschen Bundesagentur für Arbeit (BA) im Vorjahr gestartete Modell der assistierten Lehrlingsausbildung für schwächere Lehrlinge stößt auf wachsendes Interesse bei Betrieben und jungen Menschen. Bereits im ersten Jahr haben Angaben der BA zufolge 4.800 Jugendliche von dem Projekt profitiert. 5.400 Plätze hatte die Bundesagentur im Ausbildungsjahr 2015/2016 bereitgestellt.

Im neuen Lehrjahr, das im September beginnt, sollen bis zu 7.350 Auszubildende im Rahmen des Projekts betreut werden können, berichtet die BA in einer ersten Zwischenbilanz, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Modell wurde im August 2015 gestartet.

„Wir setzen große Erwartungen in das Instrument der assistierten Ausbildung. Und die bisher vorliegenden Eintrittszahlen stimmen uns auch sehr optimistisch“, sagte eine BA-Sprecherin. Angaben zur Abbrecherquote lägen derzeit aber noch nicht vor.

Vor allem bei den Arbeitgebern will die BA in den kommenden Monaten verstärkt für das Modell werben. Angesichts der vielen unbesetzten Lehrstellen könnten es sich Betriebe nicht leisten, „auf das wertvolle Potenzial junger Menschen zu verzichten - auch wenn diese auf den ersten Blick nicht den Idealvorstellungen entsprechen“, heißt es in einer Mitteilung.

Inzwischen zeigten auch die deutschen Bundesländer zunehmend Interesse an dem Projekt, berichtete die Sprecherin der Agentur. Derzeit beteilige sich bereits Sachsen-Anhalt mit Mitteln aus dem Landeshaushalt. Mit dem Hamburger Senat liefen Gespräche. Andere Länder wie Bayern und Sachsen planten eigene Konzepte. Interesse bestehe auch bei anderen Bundesländern; dort fehle es aber teils am Geld für die aufwendige Betreuung der Lehrlinge.

Bei der assistierten Ausbildung steht dem Jugendlichen und dem Ausbildungsbetrieb meist ein Berufsbildungswerk zur Seite. Lehrlinge, die wegen Lernschwierigkeiten die Lehre allein kaum durchstehen würden, werden dabei von einem professionellen Betreuungsteam unterstützt.

So erhalten sie dreimal pro Woche Nachhilfeunterricht. Die Betreuer schalten sich auch ein, wenn es im Betrieb Probleme gibt, helfen bei Prüfungsstress, achten auf Pünktlichkeit der Jugendlichen. Und sie greifen klärend ein, wenn sich ein Lehrling etwa auffallend oft krankmeldet. Wichtig sei dabei der Kontakt zur Familie des Jugendlichen.

Viele Jugendliche brechen ihre Lehre nicht aus Desinteresse an der Arbeit ab, sondern aus Frust über die schlechte Gesprächskultur im Betrieb. Das geht aus einer von der Vodafone-Stiftung geförderten Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen vor, die am Sonntag veröffentlicht wurde.

2015 wurden der Untersuchung zufolge 142.000 Ausbildungsverträge in Deutschland vorzeitig aufgelöst. Dies entspreche einer Quote von fast einem Viertel. Besonders oft schmeißen Lehrlinge demnach in Klein- und Kleinstbetrieben hin, die rund 44 Prozent der Ausbildungsplätze stellen. Diese Betriebe stünden unter enormem wirtschaftlichen Druck, hätten wenige finanzielle und personelle Freiräume, um die Ausbildung zu gestalten, und seien oft sehr hierarchisch aufgebaut. Im Streitfall träfen Lehrling und Ausbilder oft „ungepuffert“ aufeinander.




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