Letztes Update am Mo, 22.08.2016 12:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kranke Mäuse ziehen sich von der Gruppe zurück



Zürich (APA/sda) - Eine kranke Maus wird nicht von der Gruppe gemieden, sondern isoliert sich laut einer Studie selbst. Verhaltensänderungen dieser Art zu berücksichtigen könnte helfen, die Ausbreitung von Epidemien auch beim Mensch genauer vorherzusagen, berichten Schweizer Wissenschafter.

Mäuse können erkennen, wenn eine andere Maus krank ist. Überraschenderweise verhalten sie sich dem erkrankten Artgenossen gegenüber jedoch nicht anders als vor der Infektion: Es ist die kranke Maus, die sich von der Gruppe trennt und zurückzieht, wie Forscher der Universität und der ETH Zürich zeigten.

Dass kranke Tiere meist weniger aktiv sind und weniger fressen als gesunde, ist bekannt. Frühere Studien hatten allerdings bisher nicht untersucht, wie sich das veränderte Verhalten auf soziale Kontakte in der Gruppe auswirkt, wie die Uni Zürich am Montag mitteilte.

Das Wissenschafterteam um Patricia Lopes von der Uni Zürich verfolgte die Bewegungen und sozialen Kontakte von Mäusen in einer Gruppe, nachdem sie bei einzelnen Mäusen mittels bakterieller Moleküle unspezifische Krankheitssymptome ausgelöst hatten. Die Analyse der aufgezeichneten Daten zeigte, dass sich die kranken Mäuse vermehrt von ihrer sozialen Gruppe entfernten. Die Gruppe verhielt sich dem kranken Artgenossen gegenüber aber ähnlich wie vor der Infektion.

Vermutlich helfe die Verhaltensänderung der kranken Maus, die Verwandten ihrer Gruppe vor einer Ansteckung zu schützen, sagte Lopes laut der Mitteilung. Tatsächlich konnten die Forscher mithilfe mathematischer Modelle zeigen, dass die Selbstisolation der kranken Mäuse die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Krankheitsausbreitung stark reduziert. Von der Ergebnissen berichten die Forschenden im Fachblatt „Scientific Reports“.

Die Studie helfe dabei, die Ausbreitung von Krankheiten besser zu verstehen und vorherzusagen - auch beim Menschen in Bezug auf Krankheiten wie Grippe oder Ebola, die durch soziale Kontakte übertragen werden, schrieb die Uni Zürich. Auch beim Menschen dürften Verhaltensänderungen bei Krankheit einen großen Effekt auf die Ausbreitung von Infektionen haben.




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