Letztes Update am Mo, 22.08.2016 12:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


VW-Zulieferprobleme - Auch Daimler streitet mit Prevent vor Gericht



Wolfsburg (APA/dpa) - Neben Volkswagen streitet auch der Autobauer Daimler mit dem Zulieferer Prevent vor Gericht. Vor dem Landgericht Braunschweig wolle der Lieferant 40 Mio. Euro Schadenersatz erstreiten, sagte ein Sprecher des Gerichts am Montag. Prevent sehe demnach Verträge von Daimler als nicht erfüllt und nicht wirksam beendet an.

Am Dienstag werde zunächst die Frage geklärt, welche Kammer überhaupt für das Verfahren zuständig ist (Az.: 9 O 2142/15). Die „Bild am Sonntag“ und die „Süddeutsche Zeitung“ (Montag) hatten zuvor über den Rechtsstreit berichtet. In der Auseinandersetzung war Prevent bereits im Jahr 2014 mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Stuttgart gescheitert (Az.: 40 O 69/14). Die Verfügung wurde vom Gericht gekippt, auch die Berufung vor dem Oberlandesgericht blieb ohne Erfolg (Az.: 5U 149/14).

Ob an der Klage eine der beiden Prevent-Gesellschaften beteiligt war, die aktuell Teile der Produktion bei Volkswagen lahmlegen, ging aus den Gerichtsunterlagen nicht hervor. Im Jahresabschluss der Prevent DEV GmbH ist die Rede von 2013 gekündigten Aufträgen und einem „Abzug des Lieferumfanges“ der Daimler AG im Jahr 2014.

Weder Daimler noch Prevent wollten sich zu dem Verfahren äußern. Eine Daimler-Sprecherin bestätigte Lieferbeziehungen mit Prevent und Prevent-Gesellschaften. Es gebe aber keine Lieferschwierigkeiten. Car Trim sei derzeit kein Serienlieferant von Mercedes-Benz. Die ES Automobilguss habe den Stuttgarter Autobauer früher beliefert.

Die Prevent-Gruppe ist auch mit Zulieferfirmen in Österreich vertreten. 2008 hat Prevent dem Automobilzulieferer Eybl, der Ausgleich anmelden musste, diverse Firmen abgekauft, wie der „Standard“ (Montag) erinnert. Heute gehört der Kremser Autotextilhersteller Eybl zur Prevent-Gruppe, dieser beliefert unter anderem VW und Audi. Laut einem Bericht der „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN) von Anfang August steht bei Eybl in Krems eine Kündigungswelle bevor, bis zu 60 Personen sollen betroffen sein. Bei Eybl war am Montag für die APA vorerst niemand erreichbar. Die Eybl Austria GmbH setzte 2015 laut „FirmenCompass“ 55 Mio. Euro um, bei einem EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) von 3,12 Mio. Euro.

Die Prevent-Gruppe hat seinen Hauptsitz in Slowenien, produziert aber hauptsächlich in Bosnien, wo der Konzern rund 5.000 Leute beschäftigt. Haupteigentümer ist der Bosnier Nijaz Hastor. Dieser war laut „Süddeutscher Zeitung“ (Montag) vor dem Jugoslawien-Krieg in Sarajevo in leitender Position in einer Fabrik beschäftigt, die Käfer und Golfs baute. Nach dem Krieg startete er den Betrieb wieder. Durch Zukäufe wuchs das Unternehmen ASA Prevent und beschäftigt eigenen Angaben zufolge heute 12.000 Menschen in aller Welt. Der Umsatz betrug zuletzt, vor zwei Jahren, 529 Mio. Euro.

In Österreich gehört der Prevent-Gruppe laut „FirmenCompass“ weiters die Lederfabrik Mattighofen (Oberösterreich). Hastor hat den Hersteller von Leder für Autos und Möbel 2011 nach deren Insolvenz übernommen. Zwischenzeitlich scheint der Betrieb eingestellt, für das Jahr 2015 wurde kein Umsatz mehr ausgewiesen, der Verlust betrug 15,9 Mio. Euro. Eine weitere Beteiligung der Prevent Austria GmbH ist die Erlenbruch TVG GmbH. Der im Firmenbuch aufscheinende Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz in Gmünd sagte dem „Standard“, dass er sich schon vor Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen habe.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA237 2016-08-22/12:49




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