Letztes Update am Mo, 22.08.2016 13:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


KKR nimmt Banken faule Schiffskredite ab - NordLB macht Anfang



Wien/Frankfurt/Hannover (APA/Reuters/dpa) - Hoffnungsschimmer für deutsche Banken mit faulen Schiffskrediten in der Bilanz: Der Finanzinvestor KKR steigt in den Markt ein und gründet zusammen mit einem nicht näher benannten Staatsfonds eine „Schiffsportfolio-Managementgesellschaft“. Das Projekt machte die NordLB am Montag öffentlich, die in einem ersten Schritt Kredite im Volumen von etwa 1,3 Mrd. Euro an diese Gesellschaft übertragen will.

Mit welchem Abschlag sie das tut, teilte die deutsche Landesbank nicht mit. Die Transaktion soll im vierten Quartal über die Bühne gehen. Die neue Gesellschaft steht auch anderen Banken offen.

Das könnte branchenweit für Erleichterung sorgen. Denn deutsche Banken haben vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/08 besonders viele Schiffe finanziert und stehen nun wegen der Überkapazitäten auf hoher See stark unter Druck. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Darlehen in dem Sektor ist erdrückend hoch und viele Institute befürchten, dass die Aufseher hier die Daumenschrauben noch einmal anziehen.

Es gibt aber nur wenige Käufer für diese Problemportfolios, und in der Regel fordern sie einen hohen Abschlag auf die Nominalwerte der Schiffe. Zuletzt startete Finanzkreisen zufolge die Deutsche Bank einen neuen Versuch, Schiffskredite im Milliardenvolumen loszuwerden, um die Bilanz zu reinigen.

Am härtesten hat die Schiffskrise allerdings die norddeutschen Landesbanken getroffen. So erwartet die NordLB dieses Jahr zum ersten Mal seit 2009 wieder rote Zahlen. Vorstandschef Gunter Dunkel sieht in der Zusammenarbeit mit KKR denn auch eine wichtige Wegmarke. „Wir leisten damit einen bedeutenden Beitrag zu unserem Ziel, das Schiffsportfolio der Bank von derzeit 18 Milliarden Euro auf künftig 12 bis 14 Milliarden Euro zu reduzieren“, erklärte er. Übertragen werden mit dem ersten Paket - bis zu 100 Schiffe - nicht nur faule Kredite, sondern auch solche, bei denen Zins und Tilgung noch bedient werden.

Geplant ist offenbar, die Darlehen über Verbriefungsstrukturen in Wertpapiere zu bündeln und weiterzuvermarkten. Die NordLB will sich dabei nach eigenen Angaben als „Erstinvestor“ mitbeteiligen. Details ließ die Bank noch offen. KKR sieht sich als Spezialist für die Verwertung schwieriger Kreditbestände. Manager Johannes Huth erklärte: „Diese Transaktion entspricht dem Ansatz von KKR, in Anlagen von Banken zu investieren, die nicht strategisch sind oder den Renditeerwartungen nicht entsprechen, und diese zu managen.“

Viele deutsche Banken finanzierten weltweit Tanker, Massengutschiffe und Containerfrachter, weil die Schifffahrt boomte. Seit 2009 ist sie allerdings von einer tiefgreifenden Krise ergriffen: Viele Schiffe fahren kaum mehr ihre Betriebskosten ein und können Zins und Tilgung für die Kredite nicht mehr bedienen.

Die Schifffahrtskrise hat auch Auswirkungen auf zigtausende Anleger in Österreich, wurden doch hierzulande sogenannte Schiffsfonds von fast allen großen Banken in großem Stil auch an Kleinanleger verkauft. Vor allem mit Fonds des deutschen Emissionshauses MPC gibt es hierzulande nun Probleme. Viele Fonds sind im Gefolge der Finanzkrise unter Wasser geraten, ein paar mussten Insolvenz anmelden.

Die Anleger bangen um ihr Geld, sind sogar mit Rückzahlungsforderungen konfrontiert. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) wirft MPC vor, den Kunden die spezifischen Risiken der Fonds verschwiegen zu haben und hat deswegen mehrere Gerichtsverfahren initiiert. Es geht um einen beklagten Schaden von 170 Mio. Euro. MPC hat die Vorwürfe bisher stets vehement zurückgewiesen.

~ WEB https://www.nordlb.de ~ APA261 2016-08-22/13:38




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