Letztes Update am Mo, 22.08.2016 21:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkische Artillerie greift Jihadisten und Kurden in Nordsyrien an



Ankara (APA/AFP) - Die türkische Artillerie hat am Montag Fernsehberichten zufolge Stellungen von Jihadisten und Kurden in Nordsyrien angegriffen. Im Visier der Armee waren demnach Ziele der Miliz Islamischer Staat (IS) in Jarablus sowie der Kurdentruppe PYD nahe Manbij. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte zuvor gesagt, die Grenzregion müsse vollständig vom IS „gesäubert“ werden.

Indessen nahm die türkische Führung Angaben zur möglichen Identität des Attentäters von Gaziantep wieder zurück.

Wie die Sender CNN-Türk und NTV berichteten, wurden Ziele des IS sowie der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) von türkischem Boden aus unter Haubitzen-Feuer genommen. Die Grenzstadt Jarablus wird von den IS-Jihadisten kontrolliert. Aus Manbij war der IS hingegen Anfang August von einem kurdisch-arabischen Militärbündnis vertrieben worden.

Nur kurz vor den TV-Berichten über die Angriffe in Nordsyrien hatte der türkische Regierungschef Binali Yildirim gesagt, die Bildung einer kurdischen Entität in Nordsyrien sei „absolut inakzeptabel“. Kurdische Kämpfer machen derzeit in der Region Fortschritte im Kampf gegen den IS.

Entscheidend könnte nun der Kampf um Jarablus sein: Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren auf der türkischen Seite der Grenze hunderte von Ankara unterstützte syrische Milizionäre versammelt, die die syrische Grenzstadt einnehmen wollten. Offenbar wollten die Kämpfer kurdischen Einheiten zuvorkommen.

Ebenfalls in der Grenzregion liegt das türkische Gaziantep. Dort waren bei einem Anschlag auf eine kurdische Hochzeit am Samstagabend 54 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Sonntag bei einer Pressekonferenz, ein „zwischen zwölf und 14 Jahre alter Selbstmordattentäter“ habe sich inmitten der Hochzeitsgesellschaft in die Luft gesprengt. Hinter der Tat stecke womöglich der IS.

Außenminister Cavusoglu sagte am Montag dann mit Bezug auf die IS-Miliz, es sei das „ganz natürliche Recht“ der Türkei, „diese Terrororganisation bei uns und im Ausland zu bekämpfen“. Die Türkei werde den IS bekämpfen und auch den Kampf anderer Länder und Gruppen gegen die Jihadistenmiliz unterstützen.

Am Montagabend dann trat Regierungschef Yildirim vor die Presse und nahm die Angaben zu dem möglichen Attentäter wieder zurück: „Wir haben keine Ahnung, wer hinter der Attacke steckt.“ Frühere Berichte, dass es sich bei dem Attentäter um ein Kind handelte und womöglich der IS dahinterstecke, seien „leider nicht richtig“, es handle sich um „Gerüchte“. Gleichwohl gebe es keinen Zweifel daran, dass die Verantwortlichen „gefunden“ würden.

Der Vorsitzende der linksliberalen, prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), Selahattin Demirtas, erklärte, alle Todesopfer seien Kurden. Medienberichten vom Montag zufolge waren die meisten Toten Kinder oder Jugendliche. Das junge Brautpaar überlebte den Anschlag. Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete, zur Identitätsbestimmung des Täters liefen DNA-Tests.

Seit Jahresbeginn wurden in der Türkei zahlreiche schwere Anschläge verübt, die der IS-Miliz oder militanten Kurden zugerechnet wurden. Wenige Stunden vor dem Anschlag in Gaziantep hatte Regierungschef Yildirim einen „aktivere Rolle“ der Türkei im Bemühen um eine Beilegung des Syrien-Konflikts angekündigt.




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