Letztes Update am Di, 23.08.2016 12:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Oberbank-Chef Gasselsberger: Niedrigzinspolitik der EZB wird Problem



Wien/Linz (APA) - Keine Freude hat Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese werde zunehmend zu einem Problem und bringe sowohl Sparer als auch Banken, Versicherungen und Pensionskassen in Bedrängnis. Notwendig sei ein besseres Zusammenspiel zwischen EZB und Politik, forderte Gasselsberger am Dienstag auf der Halbjahrespressekonferenz in Wien.

Bei der Oberbank selbst ist das operative Zinsergebnis im ersten Halbjahr 2015 trotz Niedrigzinsen um 2,5 Prozent auf 152,8 Mio. Euro gestiegen. Das gesamte Zinsergebnis - inklusive Equity-Erträge - ging jedoch um 1,7 Prozent auf 175,7 Mio. Euro zurück. Wichtigster Provisionsbringer war der Zahlungsverkehr mit 23,4 Mio. Euro (+4,7 Prozent). Das Wertpapiergeschäft verringerte sich dagegen um 3,9 auf 19,8 Mio. Euro. Das Provisionsergebnis gab um 5,1 Prozent auf 64,5 Mio. Euro nach.

Für eine weitere „unterschätzte Gefahr“ für die Banken hält Gasselsberger die geplanten verschärften Eigenkapitalvorschriften „Basel IV“, die noch heuer den europäischen Gesetzgeber verlassen werden. „Das schadet Kreditnehmern und Banken. Der Zug fährt sehr schnell“, so der Oberbank-Chef. Vorher sollte evaluiert werden, was Basel III mit sich bringt, so sein Appell an die Politiker. Die Oberbank selbst plant noch heuer ihre Eigenkapitalquote durch eine Kapitalerhöhung auf bis zu 15,5 Prozent zu erhöhen. Damit werde die Oberbank auch im europäischen Vergleich zu den kapitalstärksten Banken zählen.

Um auch im Niedrigzinsumfeld bestehen zu können, setzt Gasselsberger auf weitere Expansion. Sowohl das Kreditwachstum, das Dienstleistungsgeschäft als auch die Primäreinlagen, aber auch die regionale Expansion sollen forciert werden. „Ich hoffe, als Bank mit guter Bonität Einlagen günstig kaufen zu können“, meinte Gasselsberger. Die Zinsspanne habe in den letzten Monaten bereits um ein paar Basispunkte erhöht werden können. Fünf Filialen wurden heuer bereits eröffnet, zwei weitere sollen noch dazu kommen. Dann wären es 160 Filialen.

Im ersten Halbjahr stieg das Volumen der Kundenkredite um 5,4 Prozent auf 13,4 Mrd. Euro. Starke Nachfrage gab es nach Wohnbaufinanzierungen. Die Primäreinlagen erhöhten sich um 3,1 Prozent auf 12,7 Mrd. Euro. Gleichzeitig verringerten sich die Risikovorsorgen um 37,2 Prozent auf 17,2 Mio. Euro. Der Anteil notleidender Kredite lag mit 2,88 Prozent deutlich unter dem europäischen Vergleichswert von 5,7 Prozent.

Das starke Kreditwachstum hänge auch damit zusammen, dass anderer Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltend seien, so Gasselsberger. Regional sehr stark sei das Wachstum in Deutschland, Tschechien und Wien. Keine Probleme habe man in Ungarn. Die Expansion dort solle beschleunigt werden.

Langfristig Einsparungen von bis zu einer Million jährlich bringen soll die Verlagerung von 200 Mitarbeitern in eine neu gegründete Dienstleistungsgesellschaft. Dort sollen die derzeit nach Banken-KV entlohnten Mitarbeiter Schritt für Schritt - etwa nach Pensionierungen - durch Mitarbeiter mit dem günstigeren Gewerbe-KV ersetzt werden. Druck auf die Mitarbeiter oder Änderungskündigungen gebe es nicht, meinte Gasselsberger. Insgesamt gibt es 2.053 Beschäftigte.

Die reformierte Bankenabgabe werde die Oberbank einmalig 22 Mio. Euro und dann jährlich statt 14,5 nur mehr 2 bis 3 Mio. Euro kosten, so Gasselsberger.

Insgesamt konnte die Oberbank das erste Halbjahr mit einem Rekordergebnis abschließen. Der Überschuss nach Steuern stieg um 5 Prozent auf 87,9 Mio. Euro.

Für das zweite Halbjahr rechnet die Bank mit einem weiteren Kreditwachstum von 5 bis 6 Prozent und einem Einlagenanstieg um 1,5 bis 2,0 Prozent. Das Kreditrisiko sollte sich weiter positiv entwickeln. Im Gesamtjahr sollte das Ergebnis des „Ausnahmejahres“ 2015 annähernd wieder erreicht werden,

~ ISIN AT0000625108 WEB http://www.oberbank.at ~ APA254 2016-08-23/12:34




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