Letztes Update am Di, 23.08.2016 12:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dinkhauser will bei Wahl 2018 Verdoppelung und Koalition ohne ÖVP



Innsbruck (APA) - Der Obmann der Tiroler Oppositionspartei Liste Fritz, Fritz Dinkhauser, strebt bei der regulär im Jahr 2018 anstehenden Landtagswahl eine Verdoppelung in Mandaten und Prozenten an. Dann wäre er „zufrieden“, sagte Dinkhauser im Sommerinterview mit der APA. Derzeit hält die Liste Fritz bei zwei Mandaten bzw. 5,61 Prozent. „Wenn machbar“ strebe er dann eine Koalition ohne die ÖVP an.

Die „zweite Option“ sei eine ÖVP-Minderheitsregierung mit einem freien Spiel der Kräfte im Landtag, so Dinkhauser. Einer Option, an der der 76-jährige Parteigründer überhaupt sehr viel Gefallen zu haben scheint. Womöglich sei sie sogar die einzige Chance für einen Aufbruch in Tirol, denn: „Die Kraft der Demokratie muss größer sein als die Kraft zum Trog“. Die Liste Fritz habe mit ihren aus dem Stand 18,35 Prozent bei der Landtagswahl 2008 die Tiroler Polit-Landschaft „historisch verändert“, nun gehe es ihm um eine „Wiederbelebung der Demokratie im Landtag“, so Dinkhauser, der seit seinem Rückzug vor der Wahl 2013 nur mehr im Hintergrund agiert.

Keinen Hehl machte Dinkhauser aber einmal mehr daraus, dass er seiner ehemaligen politischen Heimat, der Tiroler ÖVP, das erstmalige Platznehmen auf der Oppositionsbank wünscht. „Sie wird bei der nächsten Wahl noch mehr verlieren. Sie ist eine Absteigerpartei“, erklärte er gewohnt wortgewaltig.

In den Umfragen auf Platz Zwei rangiert in Tirol derzeit die FPÖ. Manche Prognosen sagen ihr sogar weit über 20 Prozent voraus. Auf die Frage, ob ihm ein freiheitlicher Landeshauptmann lieber wäre als ein schwarzer und er einen solchen unterstützen würde, meinte Dinkhauser: „Ich will einen anderen, nicht-schwarzen Landeshauptmann“.

Der Liste Fritz-Chef machte zudem klar, dass seine Polit-Erfindung wieder als eigenständige Liste bei der Wahl antreten werde: „Wir sind ein Fixstern mit einem bemühten, tollen Team. Keine Krabbler“. Zuletzt war die Möglichkeit einer Wahl-Allianz mit der im Landtag vertretenen Partei „impuls-tirol“ aufgrund möglicherweise zu viel antretender „Krabbler“, also kleinerer Gruppierungen, nicht ausgeschlossen worden. Dies habe sich aber nicht auf ein gemeinsames Antreten bezogen, so der frühere ÖVP-Arbeiterkammerpräsident. Spitzenkandidatin der Liste Fritz soll Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider werden, er selbst schloss ein Polit-Comeback im Landtag oder als Spitzenkandidat definitiv aus. Dinkhauser rechnete „eher mit einer Landtagswahl im Herbst 2017“, da Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) nicht ins Fahrwasser der Nationalratswahl kommen wolle.

Über die ÖVP, die schwarz-grüne Landeskoalition und die politische Lage in Tirol fällte der 76-Jährige ein großteils vernichtendes Urteil. Die Volkspartei helfe nur jenen, die den „Sack schon voll haben“ und stehe - nach dem Verlust von Hemd und Hose - nur mehr in der Unterwäsche da. Während zu Zeiten des legendären ÖVP-Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer noch „Gardemaß“ vorgeherrscht habe, regiere nun „Mittelmaß“. Man sei ein „Land der Prediger und Plauderer und ein Land der Bremser“ geworden. „Es gibt keine Agenda, dafür aber überall Probleme“, so Dinkhauser. Es fehle die „Stimme eines Führers“.

Beim Thema Agrargemeinschaften gebe es trotz des beschlossenen neuen Agrargesetzes nur eine „Mini-Lösung“, kritisierte er. Es bleibe der „größte Millionenbetrug am Volk“, den es jemals gegeben habe. Die „Oberpharisäer von Grünen“ hätten sich in dieser Causa mit der Volkspartei „ins warme Bett gelegt“.

Zudem lasse die Landesregierung Taten gegen die grassierende „Arbeitslosigkeit und Bildungslosigkeit“ vermissen. Kein Tiroler dürfe ohne Arbeit und keiner ohne Schulabschluss dastehen. Für Arbeitslose gelte es, unter anderem entsprechende „öffentliche Ersatzarbeit“ zu schaffen - etwa bei der Lebenshilfe oder anderen Sozialhilfeorganisationen. Das Land müsse hier „moderierend eingreifen“.

In Sachen Asyl und Flüchtlinge setzte der Liste Fritz-Obmann auf einen „pragmatischen Zugang“. Die Aufteilung im Land auf die einzelnen Gemeinden sei zwar „nicht erledigt“, er wolle aber in diesem Bereich nicht politisch Schuldige suchen. „Ich sehe den Bruch in der eigenen Familie“, spielte Dinkhauser zudem auf die vorhandene Polarisierung in der Gesellschaft an. Man müsse jenen Flüchtlingen bzw. Asylwerbern helfen, die es nötig haben, aber habe auch „Rücksicht zu nehmen auf den, der uns am nächsten steht: der Bürger von Tirol“.

Die von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) geforderten verpflichtenden Ein-Euro-Jobs für Asylberechtigte hielt der 76-Jährige indes für das „Signal in die falsche Richtung“. „Der Arbeitsmarkt orientiert sich nicht an Kurz, sondern am Billigen“, fürchtete Dinkhauser eine Lohnspirale nach unten. Das Verbot der Vollverschleierung muslimischer Frauen unterstützte er hingegen. Jedenfalls solange man auch nicht mit einem „Minirock in eine Moschee“ gehen könne, meinte er lächelnd.




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