Letztes Update am Di, 23.08.2016 13:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportpolitik: Doskozil zu Sportförderung neu: „Entpolitisieren!“



Wien (APA) - APA-(Video)-Interview mit Verteidigungs- und Sportminister Hans Peter Doskozil zur geplanten Reform der Sportförderung in Österreich:

APA: Sehr geehrter Herr Minister. Schon während der olympischen Spiele in Rio de Janeiro haben Sie angekündigt, dass die Spitzensport-Förderung in Österreich umgekrempelt wird. Warum passiert das und wie konkret ist das schon?

Doskozil: „Wir haben schon vor Monaten mit wesentlichen Sportvertretern darüber gesprochen, wie wir hinkünftig den Spitzensport besser organisieren können. Nun haben wir schon ganz konkrete Vorschläge und legistische Vorarbeiten in Auftrag gegeben, so dass wir in den nächsten zwei bis drei Wochen konkrete Vorschläge hinsichtlich Umsetzungsmaßnahmen auf dem Tisch legen werden können.“

APA: Was konkret soll geändert werden?

Doskozil: „Es geht darum, alle Fördergeldmöglichkeiten, die derzeit aus verschiedenen Bereichen kommen, zusammenzuziehen. Und zwar in einer Institution außerhalb des Ministeriums. Sei es in einer GmbH oder welcher Rechtsform auch immer. Auf jeden Fall mit einer klaren Führungsstruktur, zwei Geschäftsführern und einem Aufsichtsrat. Und insgesamt ganz klar strukturiert mit jenen Bereichen, die der Spitzensport benötigt.“

APA: Das hat es so in Österreich so noch nicht geben, oder?

Doskozil: „Richtig. Und mit der neuen Struktur kommt auch das Signal: ‚Parteipolitik raus aus dieser GmbH.‘ Vielmehr geht es darum, namhafte Sportexperten in die Verantwortung zu bringen.“

APA: Wer könnten die sein?

Doskozil: „Es ist zu früh, darüber zu reden. Aber wir haben viele namhafte Sportexperten, die im Ausland erfolgreich sind. Die könnte man zurück nach Österreich holen.“

APA: Was macht Sie zuversichtlich, dass diese doch radikale Änderung tatsächlich passieren wird?

Doskozil. „Wir haben viele Vorgespräche mit Zuständigen im sportlichen Bereich und in der Politik geführt und positive Rückmeldungen sowie Zuspruch bekommen. Auch vom Koalitionspartner und dem Innenministerium. Außerdem gehen wir mit positivem Beispiel voran. Ich bin bereit, auch die Gelder des Sportministeriums in diese Institution überzuführen und lege in Zukunft keinen Wert darauf, dass ich Förderungen vergeben darf. Und das ist ja doch ein politisches Instrument, das man da aus der Hand gibt.“

APA: Warum kommt diese Reform jetzt? Wegen London ohne Medaillen und Rio mit nur einer?

Doskozil: „Von mir gibt es keine kein Vorwürfe an die Sportler. Sie haben sich bemüht und viele Junge haben gute Platzierungen erreicht. Aber es gab eben nur eine Medaille. Dessen war man sich aber schon vorher bewusst und deshalb haben wir auch schon vorher mit Gesprächen begonnen. Es ist nicht der unmittelbare Succus aus Rio, dass wir nun überlegen, wie wir Spitzensport in Hinkunft besser organisieren können. Ich glaube, es ist notwendig, dass jetzt im Sport was gemacht wird. Die Zeit ist reif.“

APA: Wie schnell kann die Reform nun passieren? Es braucht ja auch ein neues Gesetz dafür, oder?

Doskozil: „Richtig. Auch die Rolle des Ministeriums muss neu definiert werden. Man hat eine Gesetzes- und Verordnungs-Kompetenz sowie eine Kontrollaufgabe, es geht ja um öffentliche Gelder. Alles andere soll aber von den Experten erledigt werden. Ziel ist dennoch, das alles noch in diesem Herbst umzusetzen.“

APA: Fürchten sie Hürden?

Doskozil: „Natürlich wird es Hürden geben. Aber die Erstgespräche mit dem Koalitionspartner waren ausgezeichnet. Wir werden, wenn alles klappt, in drei Wochen ein Papier haben, das natürlich diskutiert und verfeinert wird. Aber die Grundausrichtung soll bleiben: Das Geld für den Spitzensport in eine Hand, aber nicht in eine politische Hand, sondern in die von Sportexperten.“

APA: Das war jetzt alles Spitzensport. Muss man nicht auch an der Basis und im Nachwuchs viel mehr tun?

Doskozil: „Sport ist ein Thema von klein auf. Spitzensportler werden nicht erst mit 20 oder 21 produziert oder fallen vom Himmel. Sie entstehen sehr früh in Vereinen, an der Basis. Die Eltern, das ganze Umfeld hat eine Riesenaufgabe und eine Riesenverantwortung. Deshalb müssen wir schauen, dass wir in einem nächsten Schritt Geld in die Basisvereine und den Nachwuchs hineinbringen.“

APA: Wären da nicht auch die vorhandenen Strukturen zu überdenken?

Doskozil: „Die Dachverbands-Strukturen wird man aber nicht ändern können. Das hat historische Gründe und ist auch gut so, jeder Sportverein findet sich da wieder. Es kommen vom ganzen Geld aber nur 40 Prozent an der Basis an, diese Quote ist mir ein Dorn im Auge. Wir müssen das in Gesprächen mit den Dachverbänden klar steigern. Wenn wir mehr Geld in die Basisvereine bekommen, dann gibt es auch bessere Nachwuchsförderung und einige Infrastrukturprojekte mehr.“

APA: Dazu passt das Thema mit der täglichen Turnstunde. Was gibt es Neues?

Doskozil: „Es wird sie geben und zwar erstmals und als Projekt ab September im Burgenland und in Kooperation mit dem Unterrichtsministerium. Konkret werden 20 über die Dachverbände kommende Sporttrainer mit einer spezifischen Ausbildung in die Pflichtschulen kommen. Stattfinden wird es im Rahmen der Schul-Autonomie, wir stellen aber auch Equipment. Die Schulen entscheiden selbst, ob sie es wollen.“

APA: Nur die im Burgenland?

Doskozil: „Ziel ist, das über ganz Österreich auszurollen. Das Ganze wird ein Volumen von über 30 Millionen Euro haben, die in die Förderung der täglichen Turnstunde fließt. Wir haben sichergestellt, dass diese Finanzierung bis 2019 funktionieren wird. Wir wollen das Projekt so nachhaltig verfestigen, dass wir es auch in die höchste Regierungsverhandlung tragen und fix implementieren können.“

APA: Auch der Infrastruktursektor wird von den Sportlern immer wieder kritisiert. Was kann man da tun?

Doskozil: „Es gibt Überlegungen bei den Schulerhaltern vorzustoßen, um etwa Schulen in den Ferien oder an Wochenende zu öffnen. Das obliegt aber meist den Gemeinden. Manche machen es, manche nicht. Es sehe es im eigenen Haus. Es ist schwierig, einen Sportstättenplan zu etablieren. Auch hier lege ich deshalb einige Hoffnung in die neue Institution, sie wird auch für die Weiterentwicklung von Sportstätten verantwortlich sein.“

APA: Gibt es Neues bezüglich der Sportler-Planstellen beim Bundesheer?

Doskozil: „Wir haben derzeit ungefähr 190 Planstellen, dank der Sportler sozial abgesichert sind und sich dem Spitzensport widmen können. Diese Planstellen sollen in den nächsten Monaten für den Behindertensport geöffnet werden und zudem noch mehr auf den Spitzensport fokussiert sein. Außerdem gibt es Überlegungen, die Planstellen auf über 200 auszudehnen.“

(Das Interview führte Hans Gödel/APA)




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