Letztes Update am Di, 23.08.2016 13:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um sexuellen Missbrauch 2 - Mädchen war der „Sonnenschein“



Korneuburg (APA) - „Wenn ich nur den kleinsten Verdacht hätte, wäre ich nicht mehr bei meinem Mann.“ Für die Ehefrau des Beschuldigten war undenkbar, dass die Vorwürfe stimmen könnten. „Mein Neffe war wie ein Sohn für mich“, das Mädchen „unser Sonnenschein“, schluchzte sie. „Warum sagt ein liebes, aufgewecktes, gescheites Kind mit acht Jahren dann solche Sachen?“ versuchte der Richter zu ergründen.

Ein Zeuge hatte mit dem Mädchen nach seinem Sexualunterricht an der Volksschule gesprochen, weil es spontan Erlebtes geschildert habe. Die Mutter einer Schulfreundin berichtete von der entsprechenden Erzählung ihrer Tochter.

Einem bekannten Paar fiel eigenen Angaben zufolge niemals etwas Negatives auf. Das Mädchen sei sehr aufgeweckt und mitteilungsbedürftig und wolle immer im Mittelpunkt stehen, gab der Zeuge eine Einschätzung ab. Wenn irgendetwas gewesen wäre, hätte das Kind es sofort erzählt, meinte er.

Während der Vorführung der kontradiktorischen Befragung des Mädchens wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Richter verlas dann u.a. aus einer Aussage, dass es zu einem Vorfall gekommen sei, als die Tante in der Arbeit war. Für die Staatsanwältin ergab das Beweisverfahren eindeutig, dass das Kind genau wisse, was es sagt. Sie sah keinen Grund, warum die Neunjährige die - immer gleichlautend erzählten - Vorwürfe „aus dem Nichts heraus“ erfunden haben sollte. Der Verteidiger arbeitete in seinem Schlussplädoyer vor der Urteilsberatung Widersprüche heraus und plädierte auf Freispruch.




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