Letztes Update am Di, 23.08.2016 21:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Labour-Chef Corbyn hat Ärger nach Kritik an privater Bahngesellschaft



London (APA/AFP) - Der Chef der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, der derzeit in einer Urwahl um sein Amt kämpft, muss sich nun auch noch mit dem Vorwurf der Unehrlichkeit auseinandersetzen: Die private Bahngesellschaft Virgin Trains wies am Dienstag Corbyns Vorwurf zurück, er habe wegen überfüllter Wagen in einem Zug nach Newcastle auf dem Boden Platz nehmen müssen.

Vielmehr habe der Labour-Politiker freie Sitzplätze links liegen lassen. Der Sozialist Corbyn hatte vergangene Woche ein Video veröffentlicht, in dem er als Beleg für Fehlentwicklungen durch die Privatisierungen im Bahnverkehr angeführt hatte, er finde bei seiner Zugfahrt nach Newcastle nur noch auf dem Fußboden Platz. Virgin Trains veröffentlichte daraufhin Aufnahmen von Überwachungskameras in dem Zug, die leere Sitze zeigen und schließlich Corbyn auf einem Sitzplatz.

„Herr Corbyn und sein Team sind an leeren, nicht reservierten Sitzplätzen in Wagen H vorbeigelaufen, bevor sie durch den Rest des Zuges ans äußerste Ende liefen, wo sich sein Team auf den Boden setzte und zu filmen begann“, kritisierte Virgin in einer Erklärung. Der Chef des Unternehmens, der Milliardär Richard Branson, verbreitete ein Foto von Corbyn bei der Zugfahrt über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Corbyns Team wies die Darstellung zurück: „Als Jeremy in den Zug stieg, konnte er keine nicht reservierten Sitze finden, also setzte er sich mit anderen Passagieren, die auch keinen Platz finden konnten, in den Gang.“

In den sozialen Netzwerken erntete Corbyn allerdings Spott. Die Angelegenheit wurde unter dem Schlagwort „#traingate“ diskutiert. Corbyn hatte den Zug nach Newcastle genommen, um dort mit seinem parteiinternen Rivalen Owen Smith zu diskutieren. Smith ist Corbyns einziger Herausforderer bei der Urwahl um die Führung der Labour-Partei, die am Montag begonnen hatte.

Der Politikveteran Corbyn war im September 2015 bei der ersten Labour-Urwahl mit großer Mehrheit von der Basis zum Vorsitzenden gewählt worden und genießt weiterhin großen Rückhalt bei den Parteimitgliedern. In der Parlamentsfraktion findet der Vertreter des linken Flügels aber keinen rechten Rückhalt: Bei einer Vertrauensabstimmung votierten Ende Juni mehr als 80 Prozent der Labour-Abgeordneten gegen ihn.




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