Letztes Update am Mi, 24.08.2016 08:22

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Neue Bücher - Cordula Simon weiß „Wie man schlafen soll“



Wien (APA) - Cordula Simon weiß „Wie man schlafen soll“

Eine Stadt, geschaffen zur Effizienzmaximierung: Nachdem der Klimawandel die Erde weitgehend unfruchtbar gemacht und das Erwerbsleben in weitreichenden Sektoren zum Erliegen gebracht hat, entsteht rund um eine Raffinerie ein künstlicher urbaner Lebensraum. Eine Firma, ein Stadt gewordenes Betriebssystem, benutzbar nur mit der persönlichen Lightraff-Card. Das Versprechen: jeder bekommt Arbeit, jeder bekommt ein Bett. Das teilt man sich zwar mit anderen, aber weil die Dienstpläne zusammenpassen, bekommt man sich fast nie zu Gesicht. Der ehemalige Bauer Schreiber wird dem Schlachthof zugeteilt, der glatte Haye der Verwaltung und der Barmann Koslov dem „Darkraff“.

Jeder hat das gemeinsame Bett acht Stunden lang inne. Doch mit dem Versiegen der Ölquellen und dem Implodieren eines Systems, das jeden Bewohner wie ein Zahnrad erfasst hält, haben die drei plötzlich mehr miteinander zu tun, als ihnen lieb ist. Und schon auf der ersten Seite gibt es eine Leiche. Nach „Der potemkinsche Hund“ (2012) und „Ostrov Mogila“ (2013) legt die 30-jährige Steirerin ihren dritten Roman vor und bleibt dabei sowohl ihrem kühlen, distanzierten Stil als auch ihren schaurig-apokalyptischen Motiven treu. Als Zukunftsparabel eignet sich der in jedem Winkel trostlos gefärbte Roman allerdings kaum. Am 13. September präsentiert Simon „Wie man schlafen soll“ in der Gesellschaft für Literatur in Wien, am 28. September im Literaturhaus Graz. (Cordula Simon: „Wie man schlafen soll“, Residenz Verlag, 196 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-7017-1668-5)

Ivo Andric-Klassiker „Wesire und Konsuln“ neu übersetzt

Es gilt als „das“ Buch, um das tief verwurzelte Völkergemisch Bosniens zu verstehen: „Wesire und Konsuln“ des Literaturnobelpreisträgers und Diplomaten Ivo Andric entführt auf mehr als 650 Seiten nach Travnik, seinen Geburtsort, und geografisch wie menschlich jener Platz, an dem der Osten und der Westen, der Orient und der Okzident zusammentreffen. Ein osmanischer Wesir, ein österreichischer und ein französischer Konsul, Dorfbewohner, die muslimisch und katholisch und jüdisch und orthodox sind. Das historische Panorama aus der napoleonischen Zeit, das stets in persönlichen Schicksalen den großen Entwicklungen nachspürt, hat Andrics Ruhm gemeinsam mit der „Brücke über die Drina“ begründet und ist nun in einer von Katharina Wolf-Grießhaber neu überarbeiteten Übersetzung verfügbar. (Ivo Andric: „Wesire und Konsuln“, Zsolnay, 656 Seiten, 28,80 Euro, ISBN: 978-3-552-05802-6)

Opernstars plaudern aus dem Nähkästchen

„Muss man über Oper reden?“ Diese Frage stellt sich WDR-Musikredakteur Richard Lorber zu Beginn seines neuen Buches - respektive er stellt sie 16 prominenten Vertretern der Zunft. Und, so viel sei verraten, die Antwort auf die Frage lautet am Ende: Ja. Als Basis des Interview-Buches dienten dem Autor Sendungen des Kulturradios WDR 3, in denen sich Lorber Opernschaffenden verschiedener Provenienz genähert hat - von Dirigentenlegenden wie dem mittlerweile verstorbenen Nikolaus Harnoncourt über Regieveteranen wie Peter Konwitschny bis zu Gesangsstars wie Cecilia Bartoli oder Jonas Kaufmann. Im Fokus der zwischen 2007 und 2015 geführten Gespräche stehen keine Anekdoten oder persönlichen Details, sondern das künstlerische Schaffen. Und eben dies offenbart immer wieder überraschende Differenzen und ebensolche Gemeinsamkeiten. Der Blick ist dabei auf das Musiktheater als Handwerk gerichtet, nicht als Kunst in lichten Höhen des Elfenbeinturms. Am Ende steht somit ein Blick hinter die Kulissen des Opernbetriebs im 21. Jahrhundert, der zeigt: Es gibt verschiedenste Wege, nach Rom zu kommen. (Richard Lorber: „Oper - aber wie!? Gespräche mit Sängern, Dirigenten, Regisseuren, Komponisten“, Bärenreiter Verlag, 266 Seiten, 24,95 Euro, ISBN: 978-3-7618-2061-2)

Dokumente zum Mythos Werner Schwab

Der Mythos Werner Schwab lebt auch mehr als 20 Jahre nach seinem Tod in der Silvesternacht 1993/94 weiter. Wie es zu diesem nachhaltigen Fremdbild des Theaterberserkers kam, das der Grazer Dichter nicht selten als Selbstbild verkaufte, zeichnet nun der im Droschl Verlag erschienene Band „Der Mensch, der Schreibmuskel, der Suchtfetzen“ nach. Auf über 200 Seiten finden sich zwischen 1990 und 1993 geführte Interviews, darunter mit dem Wiener Kritiker Wolfgang Kralicek, der Literaturkritikerin Sigrid Löffler oder - ganz zuletzt - auch mit seinem Kollegen Wolfgang Bauer. In einem zweiten, kürzeren Teil, finden sich Essays und Aufsätze von Schwab selbst, abgerundet wird der Band mit Schwabs Doppel-Essay „Der Dreck und das Gute. Das Gute und der Dreck.“ Eine interessante Lektüre für Schwab-Fans sowie ein Fundus für Literatur- und Medienwissenschafter. („Werner Schwab. Der Mensch, der Schreibmuskel, der Suchtfetzen. Gespräche, Interviews, Essays“, Droschl Verlag, 304 Seiten, 25 Euro. ISBN 978-3-85420-980-5)




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