Letztes Update am Mi, 24.08.2016 09:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens 15 Tote und dutzende Vermisste bei Erdbeben in Italien



Rom (APA) - Ein schweres Erdbeben in Mittelitalien hat in der Nacht auf Mittwoch zumindest 15 Personen das Leben gekostet. Dutzende weitere Menschen wurden noch unter den Trümmern vermisst. Die Sachschäden sind enorm. Der Zivilschutz zog Vergleiche mit dem Erdbeben in L‘Aquila im Jahr 2009, damals waren 300 Menschen gestorben.

Am stärksten betroffen waren Accumoli, Amatrice, Posta und Arquata del Tronto. Dicht besiedelte Gebiete schienen jedoch verschont geblieben zu sein, da sich das Beben in einer Bergregion ereignete, in der mehrere Nationalparks liegen. Mindestens sechs Tote wurden in Accumuli in der Region Latium, dem Epizentrum des Erdbebens, verzeichnet. Sechs weitere Tote wurden laut Medienangaben in Amatrice, 140 Kilometer nordöstlich von Rom, registriert. Weitere drei Opfer wurden in der Region Marken gemeldet, darunter ein Kind.

Die italienischen Rettungsmannschaften, die am Mittwoch in den betroffenen Regionen Umbrien und Latium im Einsatz waren, arbeiteten gegen die Zeit, um Menschen aus Trümmern zu holen. Die Regierung entsandte Soldaten, um Berggemeinden zu helfen und sie wieder zugänglich zu machen. Viele der Dörfer waren nach dem Beben vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten.

In der Region Marken wurde die gesamte Gemeinde Arquata aus Sicherheitsgründen evakuiert. Hier ist ein Ehepaar unter den Trümmern seines Hauses ums Leben gekommen. Besonders betroffen war auch eine Urlaubsortschaft im Apennin, Amatrice, 140 Kilometer nordöstlich von Rom. Die Patienten des lokalen Krankenhauses mussten die Anlage verlassen. Auch in anderen Orten der Region wurden beschädigte Spitäler und Seniorenheime geräumt.

Die Gemeinde Amatrice war am Mittwochvormittag noch zum Großteil isoliert, da Geröll die Straßen zur Kleinstadt blockierte. Eine Brücke, die nach Amatrice führt, stürzte teilweise ein, was die Rettungsarbeiten erheblich erschwerte. „Amatrice existiert nicht, unsere ganze Gemeinde ist in Trümmern“, klagte Bürgermeister Sergio Pirozzi. „Es ist eine Tragödie wie in L‘Aquila vor sieben Jahren. Amatrice ist nicht mehr zu erkennen, der ganze historische Kern ist zusammengebrochen“, kommentierte der Bürgermeister von L‘Aquila, Massimo Cialente, der das Bebengebiet in Amatrice besuchte.

Eine Angstnacht erlebte auch die umbrische Kleinstadt Norcia, Geburtsort des Heiligen Benedikt. Der Mönch, der im fünften und sechsten Jahrhundert gelebt hat, gilt als einer der Väter des abendländischen Mönchtums und ist Schutzpatron Europas. Die Kathedrale wurde stark beschädigt. Dutzende Touristen, die sich in der Ortschaft befunden hatten, rannten in Panik auf die Straßen.

Das Epizentrum des Erdbebens mit einer Stärke von mehr als 6 lag in einer Tiefe von vier Kilometern. Die Erschütterungen waren bis in die rund 150 Kilometer entfernte Hauptstadt Rom zu spüren, dort wurden die Einwohner aus dem Schlaf gerissen. Nach dem ersten Erdbeben um 3.36 Uhr kam es rund eine Stunde später zu einem starken Nachbeben. Experten warnten vor weiteren Nachbeben. Italien wird aufgrund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert.

(Grafik 0950-16)




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