Letztes Update am Mi, 24.08.2016 12:13

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„Giants“ - Originell aufbereitete Science-Fiction-Story



Wien (APA) - Alien-Roboter, Verschwörungen, Intrigen, Geheimdienste, biblische Motive und zwischenmenschliche Irritationen - klassische Zutaten für spannende Science-Fiction hat Sylvain Neuvel in seinem Roman „Giants - Sie sind erwacht“ verarbeitet. Bei der Umsetzung der Story wählte der Autor einen unkonventionellen Weg: Die Geschichte wird anhand von Gesprächsprotokollen erzählt. Das funktioniert sehr gut.

Der Plot in aller Kürze: Ein elfjähriges Mädchen stößt auf eine riesige Hand aus Metall. 17 Jahre später ist aus dem Kind eine Wissenschafterin geworden, die als Leiterin eines Geheimprojekts den Fund untersucht. Nach und nach tauchten mehrere Körperteile aus Material aus dem All auf, die zusammen einen riesigen Roboter bilden. Rasch entfaltet sich ein Netz aus Machtspielen, denn die Maschine ist eine allmächtige Waffe. Aber wer hat sie gebaut? Und wer will das Geheimnis lösen? „Die wahren Machtstrukturen kann man bei einem so komplexen Unternehmen nicht auf den ersten Blick durchschauen“, heißt es im Buch.

Die Stärke von „Sleeping Giants“, so der Originaltitel von Neuvels Debüt, liegt in der Erzählweise. Statt auf den Spuren von Michael Crichton seine Mischung aus Science-Fiction und Politthriller als klassischen Roman zu verarbeiten, gibt der Kanadier die Vorgänge in Form von „Files“ wieder - in erster Linie handelt es sich dabei um Niederschriften von Unterredungen eines mysteriösen Mannes, der skrupellos im Hintergrund die Fäden zieht, mit Wissenschaftern, Militärs und Sicherheitsberatern.

Ein wenig erinnert die Aufmachung an „Word War Z“. Allerdings ergeben die Protokolle in „Giants“ im Gegensatz zum Zombie-Schocker eine einheitliche, chronologische Handlung. Neuvel gelingt es, allein anhand der Gespräche die Eigenschaften der Charaktere zu vermitteln, Spannung aufzubauen und die Entwicklung zunehmen komplexer werden zu lassen, ohne sich in wissenschaftlichen Abhandlungen oder plakativer Action zu verlieren. Auch etwas Augenzwinkern bringt er unter. „Die Schlacht um die Erde beginnt“, hat der Heyne-Verlag auf die Rückseite des Romans gedruckt - eine Fortsetzung folgt also.

Sylvain Neuvel ist Linguist, Übersetzer und Softwareentwickler in Montreal. Er hat auch schon Eiscreme in Kalifornien verkauft und wäre gerne Astronaut. Er interessiert sich neben wort- und computerbasierter Morphologie und Semantik für Science Fiction und Robotik, und baut gerade an einer R2-D2-Nachbildung. In seiner schriftstellerischen Arbeit lässt er immer wieder Hommagen an seine Vorlieben einfließen.

(S E R V I C E - „Giants - Sie sind erwacht“, Sylvain Neuvel, aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler, Heyne Verlag, 416 Seiten, 15,50 Euro)




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