Letztes Update am Mi, 24.08.2016 13:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kroatischer Premier droht serbischem Nationalisten mit Festnahme



Belgrad/Zagreb (APA) - Der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj hat anlässlich eines geplanten Kroatien-Besuchs mitgeteilt, sich in den dortigen Wahlkampf einmischen zu wollen. Der kroatische Premier Tihomir Oreskovic drohte umgehend mit einer Festnahme. „Er ist hier nicht willkommen. Sollte er dennoch kommen, wird er festgenommen“, wurde Oreskovic am Mittwoch von der Belgrader Tageszeitung „Politika“ zitiert.

Seselj sieht sich demnach von einer solchen Drohung nicht betroffen, da er als Klubchef der Serbischen Radikalen Partei (SRS) einen serbischen Diplomatenpass erhalten habe. Ein Foto dieses Passes hätte er bereits in dem Kurznachrichtendienst Twitter gepostet, wie die kroatische Nachrichtenagentur Hina am Dienstag berichtete. Wie Seselj einen Diplomatenpass erhalten konnte, ist allerdings nicht klar. Abgeordneten steht ein solcher nämlich nur im Falle „besonderer Missionen im Ausland“ zu.

Die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien sind seit Monaten angespannt, die Ankündigung Seseljs gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tanjug inmitten des Wahlkampfes im Nachbarland Kroatien dürfte für eine neuerliche Belastung sorgen.

Im März wurde der serbische Ultranationalist Seselj vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien (ICTY) in erster Instanz vom Vorwurf der Kriegsverbrechen freigesprochen. Diese wurden ihm in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina angelastet. Das Berufungsverfahren ist derzeit noch im Gange.

Zu den engsten Mitarbeitern Seseljis zählten über Jahre der aktuelle serbische Premier Aleksandar Vucic sowie Staatschef Tomislav Nikolic. Beide hatten sich allerdings 2008 von ihm getrennt, um einen proeuropäischen politischen Kurs einzuschlagen. Der SRS-Chef unterlässt keine Gelegenheit, um vor allem Nikolic öffentlich anzugreifen.




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