Letztes Update am Mi, 24.08.2016 14:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdbeben in Mittelitalien - „Wie im Krieg, die Stadt ist eingestürzt“



Arquata del Tronto (APA) - Das Häuschen mit Garten am Ortsrand von Amatrice ist wie durch ein Wunder unversehrt geblieben. Rundherum türmt sich Schutt. „Zum Glück hatte ich mein Haus bei Renovierungsarbeiten vor einigen Jahren erdbebensicher machen lassen. Ansonsten wäre wohl kein Stein mehr auf dem anderen“, sagte Lia Capriccioli aus Rom, die den Sommerurlaub in Amatrice verbringt.

Die Angst sitzt der 65-jährigen Lehrerin, die aus Amatrice stammt, noch im Nacken. „Ich habe hier schon öfters Erdbeben gespürt, aber dieses war einfach fürchterlich. Es war wie eine Bombe. Ich wollte sofort flüchten, habe aber den Haustorschlüssel nicht gefunden. Daher bin ich dann nur mit Mühe durch eine Hintertür ins Freie gelangt“, sagte Capriccioli im Gespräch mit der APA.

Das Szenario in dem einst freundlichen Urlaubsort sei dramatisch. „Es ist wie im Krieg. Das ganze Städtchen ist in Trümmern. Die Zahl der Toten ist hoch. Jeder kennt jeden in Amatrice, viele Bekannte von mir haben Angehörige verloren“, sagte die Lehrerin, die sich im Hauptquartier des Zivilschutzes aufhält. Die Rettungskette habe bisher gut funktioniert. „Feuerwehrleute, Zivilschutz, Militär: Alle sind jetzt da. Wir hoffen, dass die Straßen bald geräumt sind. Ich weiß noch nicht, wann ich Amatrice verlassen kann“, meint die Lehrerin.

Die Zahl der Todesopfer sei auch wegen der vielen Touristen in diesen letzten August-Tagen hoch. „Ein ganzes Hotel ist eingestürzt. Auch Kinder wurden aus den Trümmern geborgen“, berichtete die Frau.

„Die Menschen helfen sich gegenseitig, sie arbeiten mit den Rettungsmannschaften zusammen, um Vermisste aus den Trümmern zu befreien. Wir sind aktive, fleißige Menschen. Ich bin sicher, dass die Stadt wieder aufgebaut wird“, sagte Lia Capriccioli.




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