Letztes Update am Mi, 24.08.2016 15:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kiew feiert 25. Jahrestag der Unabhängigkeit mit großer Militärparade



Kiew (APA/AFP/Reuters/dpa) - Mit einer großen Militärparade hat die Ukraine den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion gefeiert. Tausende Ukrainer versammelten sich am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Kiew. Viele von ihnen schwenkten die blau-gelbe Nationalflagge. Anders als im Vorjahr wurden bei der Parade auch schwere Geschütze und Panzer gezeigt.

„Von dieser Parade geht die Botschaft an unsere internationalen Partner aus, dass die Ukraine sich selbst verteidigen kann, aber auch weitere Hilfe benötigt“, sagte Präsident Petro Poroschenko den Zuschauern. Die Streitkräfte seien der Garant des Staates. Der Feind sei Russland, dessen Militärbudget um ein Vielfaches höher sei als das der Ukraine. „Nach zwei Jahren Krieg lässt sich sagen, dass der Feind seine strategischen Ziele nicht erreicht hat“, betonte Poroschenko.

Die Veranstaltung zur Feier des Parlamentsbeschlusses vom 24. August 1991 zum Austritt aus der Sowjetunion begann bei leichtem Regen mit der ukrainischen Nationalhymne. Etwa 4.000 Menschen, unter ihnen Soldaten, Polizisten, Grenzschützer und Nationalgardisten, defilierten durch Kiew. Erstmals nahmen auch Mitglieder der Spezialkräfte an der Parade teil, die von Kiews Hauptstraße zum Platz der Unabhängigkeit führte.

Der als Maidan bekannte Platz ist das Symbol der Demonstrationen für eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union und gegen den stärker an Russland orientierten damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch ab dem Herbst 2013. Die Zuspitzung der Proteste führte im Februar 2014 zum Sturz Janukowitschs.

Unter dessen Nachfolger Petro Poroschenko kam es zu einer bis heute andauernden militärischen Konfrontation zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und bewaffneten Einheiten im mehrheitlich russischsprachigen Osten der Ukraine. Moskau bestreitet dies. Im Sommer 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim, im Osten der Ukraine kämpfen bis heute Regierungstruppen gegen prorussische Rebellen. Kiew und der Westen werfen Russland vor, die Kämpfer mit Soldaten und Waffen zu unterstützen.

Nach der Militärparade begann ein „Marsch der Unbesiegten“ mit freiwilligen Kämpfern und Ärzten, die in der Ostukraine im Einsatz waren. Auch Hinterbliebene von getöteten ukrainischen Soldaten waren daran beteiligt. Die Straßen säumten tausende Menschen in der Wischiwanka, dem bestickten ukrainischen Folklorehemd.

In jüngster Zeit hatten sich die ukrainischen Regierungstruppen und prorussische Kämpfer im Osten trotz eines Waffenstillstandsabkommens wieder verstärkt Gefechte geliefert. Ein von Deutschland und Frankreich vermitteltes Waffenstillstandsabkommen vom Februar 2015 wird immer wieder verletzt. In dem Konflikt wurden bereits 9.500 Menschen getötet. Auch eskalierte zuletzt der Streit um die Halbinsel Krim erneut. Die USA und andere westliche Staaten sehen die Annexion als Verletzung des Völkerrechts an und verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland.

Am Freitag wollen der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry in Genf über Möglichkeiten zum Abbau der zunehmenden Spannungen im Ukraine-Konflikt beraten. Am Mittwoch gratulierte US-Präsident Barack Obama den Ukrainern. „Wie uns in den vergangenen Jahren vor Augen geführt wurde, ist der von der Ukraine eingeschlagene Weg nicht immer leicht gewesen“, heißt es in der Stellungnahme Obamas. Es habe Opfer gekostet, um die Unabhängigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Obama versicherte, die USA werde immer an der Seite der Ukraine stehen, wenn es darum gehe, deren Souveränität zu schützen und ihr Bekenntnis zur Demokratie und den Kampf gegen Korruption zu vertiefen.

Erst jüngst warf Moskau der Ukraine erneut vor, auf der Krim Unruhe stiften zu wollen und heimlich bewaffnete Gruppen dorthin entsandt zu haben. Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB wurden mehrere Anschläge auf der Krim vereitelt und „terroristische Saboteure“ festgenommen. Moskau verstärkte seine Militärpräsenz auf der Krim, die Ukraine versetzte ihre Truppen in Alarmbereitschaft.

Erst vor zwei Tagen wurde zudem bekannt, dass die Ukraine gegen die russische Militärführung ermittelt, am Mittwoch erklärte dann Moskau, ebenfalls juristisch gegen den ukrainischen Verteidigungsminister Stepan Poltorak und seine engsten Mitstreiter wegen „verbotener Kriegsführung“ in der Ostukraine vorgehen zu wollen.




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