Letztes Update am Mi, 24.08.2016 16:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche ING-DiBa steht zu Gratis-Girokonto, Negativzinsen denkbar



Berlin (APA/Reuters) - Trotz der anhaltenden Niedrigzinsen hält die größte deutsche Direktbank ING-DiBa an ihren kostenlosen Girokonten fest. „Derzeit gibt es keine Pläne, sie für Privatkunden abzuschaffen“, sagte der Vizechef der niederländischen Mutter ING, Koos Timmermans, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

Bei der Deutschen Postbank müssen mehrere Millionen Kunden ab November Gebühren für ihr Girokonto zahlen. Der ING-Vorstand sagte, die meisten Geldhäuser legten die niedrigen Zinsen schon auf die eine oder andere Weise auf die Kunden um - sei es über Gebühren oder über Strafzinsen. Auch bei der ING gebe es sie längst für extrem große Einlagen von Firmenkunden, aber auch für Fremdwährungskonten. „Negativzinsen kommen tröpfchenweise“, sagte Timmermans. „Ich kann mir das bei sehr großen Einlagen auch im Privatkundengeschäft vorstellen. Die Frage ist: Wo hört das auf? Wir wissen es noch nicht.“

Die deutsche Tochter ING-DiBa, die ohne eigenes Filialnetz auskommt, zahlt als eine von wenigen Banken noch Zinsen auf Sparguthaben: 0,35 Prozent bis 100.000 Euro. Bei Sparkonten habe sie noch Spielraum, die Zinsen zu senken, sagte Timmermans. „Das ist derzeit nicht dringlich. Doch sollte das Niedrigzinsumfeld wirklich lange anhalten, werden Maßnahmen unausweichlich werden.“

Die kleine bayerische Raiffeisenbank Gmund hatte aufhorchen lassen, weil sie von September an von einigen Privatkunden mit großen Summen auf dem Konto einen Strafzins verlangt. Die Banken selbst müssen bereits seit 2014 Zinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken. Damit will sie die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und weniger Geld zu horten, um die Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln. Die Euro-Wächter hatten den Satz erst im März auf minus 0,4 von minus 0,3 Prozent erhöht.

Mit Gebührenerhöhungen lasse sich das Problem aber nicht lösen, meint Timmermans. „Die Gebühren können ein bisschen nach oben gehen, aber man kann die negativen Margen damit nicht vollständig wettmachen.“ Die Banken müssten auch Kosten senken. Er erwarte deshalb, dass es verstärkt zu Zusammenschlüssen von deutschen Banken kommen wird und viele Geldhäuser ihre Präsenz vor Ort verringern werden - auch weil viele Kunden ihre alltäglichen Bankgeschäfte online abwickeln. „Ich erwarte, dass das Filialnetz insgesamt kleiner sein wird. Die Konsolidierung im deutschen Bankensektor wird weitergehen.“

Die ING-DiBa sieht sich mit mehr als acht Millionen Kunden als drittgrößte Privatkundenbank Deutschlands, bietet aber nur ausgewählte Produkte an. „Die DiBa ist unser größtes Wachstumsfeld“, sagte der ING-Vorstand. „Sie differenziert sich nicht über Produkte, sondern durch die Einfachheit, mit der sie die Dinge anpackt.“




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