Letztes Update am Do, 25.08.2016 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1 Jahr „Balken auf“ 2 - „Stopp, jetzt geht nichts mehr“



Eisenstadt/Nickelsdorf (APA) - Im Innenministerium gab es einen Einsatzstab, mit dem man sich abstimmte, um die Flüchtlinge geordnet wegzubringen, damit man sie in Wien weiterleiten konnte, so Burgenlands Stellvertretender Landespolizeidirektor Werner Fasching. Um 10.00 Uhr am Vormittag habe es dann geheißen: „Stopp. Jetzt geht nichts mehr, weil wir müssen zuerst die wegbringen, sonst steht der Westbahnhof.“

„Wenn wir ein Problem gelöst haben, haben wir in Wahrheit woanders ein kleines Problem wieder aufgetan“, umriss der Generalmajor die damaligen Erfahrungen. Nur mit vielen Absprachen sei es letztlich gelungen, etwas Brauchbares auf die Füße zu stellen.

Natürlich habe es immer wieder einen Rückstau gegeben. „Wenn die Flüchtlinge gesehen haben, dass wir nichts wegbringen von da (aus Nickelsdorf, Anm.), sind sie natürlich auch nervös geworden, haben Eigeninitiativen gesetzt - sie sind teilweise zu Fuß auf der Autobahn und durch die Ortschaft Nickelsdorf marschiert.“

„Wenn sie gesehen haben, es gibt eh eine Möglichkeit, mit Bussen wegzukommen, dann haben sie auch gewartet.“ Wenn sich allerdings ein paar Stunden nichts tat, machten sich die Flüchtlinge selbst auf den Weg, weshalb man teilweise die Ostautobahn (A4) sperren musste.

Dazu kam die Versorgung und ein Abfallproblem: „An einem Spitzentag haben wir mehrere Tonnen Müll gehabt, die wegzubringen waren.“ In der Folge übernahm die Asfinag diese Aufgabe. Auch Mobiltoiletten mussten organisiert werden. Und schließlich gab es noch das Problem, „dass wir von Ungarn Null Auskunft bekommen haben. Zusammenarbeit hat es zu Beginn überhaupt nicht gegeben“.

Nach dem Einsetzen der Flüchtlingsbewegung habe man sich bemüht, über das Wochenende den Einsatzstab fertig aufzustellen. „Der Übergang in eine geregelte Phase war Gott sei Dank relativ kurz, weil wir ja schon teilweise aufgestellt waren“, erzählte Fasching. Wie viele andere auch, habe er zu Beginn „gleich einmal 36 Stunden“ durchgearbeitet. „Am Montag war das dann schon für uns nichts so Aufregendes mehr - wir haben gewusst, was auf uns zukommt.“

„Die größte Sorge war für uns immer wieder: Wie bringen wir die Flüchtlinge weiter?“, erinnerte sich Fasching. Diese hätten immer weiter gewollt: „Ihr Ziel war zu 99 Prozent Deutschland“. Wurden sie nicht weitergebracht, gab es Eigeninitiativen, teilweise auch „kleinere Eskalationen“, die man aber „im Griff“ gehabt habe: „Aber es hat schon Phasen gegeben, wo wir fast das gesamte im Dienst stehende burgenländische Personal in Nickelsdorf gehabt haben.“




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