Letztes Update am Do, 25.08.2016 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1 Jahr „Balken auf“ - Schwierige Situation für Burgenlands Polizei 1



Eisenstadt/Nickelsdorf (APA) - Der in der Nacht vom 4. auf den 5. September am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) einsetzende Flüchtlingsandrang stellte für Burgenlands Polizei eine schwierige Situation dar, erzählte der Stellvertretende Landespolizeidirektor Werner Fasching im APA-Gespräch. Es galt, rasch das Personal zu verstärken und Busse zu organisieren. Viele Beamte erwartete zum Auftakt ein Dauereinsatz.

Die Polizei-Spitzen hatten am 4. September an einem Gedenkgottesdienst für die am 27. August in einem Kühl-Lkw tot aufgefundenen 71 Flüchtlinge teilgenommen. Fasching war deshalb nach 21.00 Uhr noch im Büro, als er vom Landespolizeidirektor und aus dem Innenministerium Anrufe bekam mit der Information: „Flüchtlinge werden kommen und um 23.00 Uhr gibt es eine Videokonferenz“, schilderte Fasching.

„Dann war klar, dass noch in der Nacht Flüchtlinge nach Österreich kommen werden, dass die Ungarn mit Bussen, mit Zügen, wie auch immer, Flüchtlinge an die Grenze bringen und wir damit rechnen müssen, dass es einen Riesen-Ansturm geben wird.“ Bereits nach dem Fund der toten Flüchtlinge und im Zuge der daraufhin durchgeführten Schwerpunktaktionen im Kampf gegen Schlepperkriminalität war ein Einsatzstab gebildet worden. „Wir waren im Haus (in der Landespolizeidirektion, Anm.) im Prinzip schon aufgestellt und mussten nur ein bisschen Personal verstärken, damit wir den Ansturm in der Nacht zumindest organisatorisch von herinnen bewältigen können.“

Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil fuhr zur Grenze, Fasching managte in Eisenstadt die Lage. „Wir haben dann schauen müssen, dass wir so viel Personal wie möglich zusammenbringen“, erinnerte sich der Generalmajor. Wegen der Schlepper-Schwerpunktaktion waren 30 bis 40 Beamte im Einsatz, die man nun zur Grenze beorderte. „Wir haben dann gleich jede Menge an Autobussen organisiert und haben relativ rasch die ersten Flüchtlinge, die gekommen sind, nach der Versorgung nach Wien Richtung Westbahnhof bringen können.“

Man sei auch insoweit vorbereitet gewesen, als dass man bereits die Asfinag-Halle in Parndorf und die Nova Rock-Halle in Nickelsdorf in Anspruch nehmen konnte. „Wir haben dann im Laufe der Tage mit dem Roten Kreuz und später dann mit dem Bundesheer die Infrastruktur in Nickelsdorf aufgebaut.“

Zunächst sei die Situation schwierig gewesen, weil viele Flüchtlinge kamen. In einen Bus passten zwischen 50 und 80 Menschen - „und 1.500 wollen gleichzeitig wegfahren“, beschrieb Fasching die Lage. Dies habe man später durch die Absperrmaßnahmen in Form von Schlangenlinien „wie am Flughafen“ in den Griff bekommen. In der ersten Phase habe man diese noch nicht gehabt: „Das war nicht sehr einfach, aber wir haben das Gott sei Dank halbwegs gut über die Bühne gebracht.“

Dass so viele Flüchtlinge in dieser Form auf einmal kommen, damit sei nicht zu rechnen gewesen. „Und wie der Zeitpunkt da war, war überhaupt keine Möglichkeit, darüber nachzudenken. In den ersten acht Stunden der Flüchtlingsbewegung habe er wahrscheinlich sechseinhalb Stunden telefoniert „nur, um alle möglichen Dinge zu organisieren“.




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