Letztes Update am Do, 25.08.2016 11:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportpolitik: Grüne fordern eigenständiges Handeln Doskozils



Wien (APA) - Die Reformvorstellungen des zuständigen Ministers Hans Peter Doskozil (SPÖ) für den österreichischen Spitzensport missfallen die Grünen. Deren Sportsprecher Dieter Brosz vermutete am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, dass sich der Ressortchef mit seinem Plan einer ausgelagerten GmbH nur aus der Verantwortung stehlen wolle.

Brosz findet, dass Doskozil selbst gefordert wäre, Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nach Ansicht des Grünen in erster Linie darum, jene Sportarten zu definieren, die künftig speziell gefördert werden sollen.

Würde diese Entscheidung - wie vom Minister geplant - zwei Geschäftsführern überlassen, bestünde die Gefahr, dass auch diese aus einem gewissen Einflusskreis kämen und dies wiederum Auswirkungen auf die Wahl der Sportarten hätte. Schon beim Projekt Rio habe sich gezeigt, dass oft jene subventioniert worden seien, die das beste Lobbying betrieben hätten.

Bevor Entscheidungen in Richtung Tokio 2020 getroffen werden, sollte nach Meinung von Brosz eine umfassende Evaluierung möglichst durch ausländische Fachleute vorgenommen werden. Ebenfalls vonnöten wäre eine parlamentarische Enquete, in der Experten aus erfolgreichen Sportländern und die Sportler selbst zu Wort kommen sollen.

Brosz hat sich jedenfalls selbst schon einige Gedanken gemacht, wie es mit Österreichs Sommersport wieder aufwärts gehen könnte. Der Sportsprecher plädiert etwa dafür, Sportstätten in größeren Schulen vor allem im AHS-Bereich unbürokratisch im Sommer zur Verfügung zu stellen.

Ebenfalls vonnöten wäre aus sein Sicht, von der „Beton- und Ruinen-Förderung“ abzugehen. Das meint, dass man nicht ständig große Hallen erbauen sollte, ohne dann auch für die laufenden Kosten, die etwa durch die für die Zentren notwendigen Trainer entstehen, vorzusorgen.

Was die zu fördernden Sportarten angeht, plädiert Brosz dafür, sich dort zu engagieren, wo Österreich schon eine gewisse Breite hat, etwa im Judo, sowie dort, wo touristisches Potenzial, Begeisterung der Jugend und Möglichkeit der Kooperation mit Schulen vorhanden ist. Brosz nannte hier etwa Segeln, Rudern, Mountain-Biken, Beach-Volleyball und die neue olympische Sportart Klettern.

Kritik an den Doskozil-Plänen kam am Donnerstag auch von den NEOS. Deren Sportsprecherin Claudia Gamon bekrittelte in einer Aussendung, dass an den „absurd hohen Administrationskosten“ immer noch nichts geändert werde, weil das System der politischen Dachverbände beibehalten werden soll: „Dieses Parteiensystem mit Dachverbänden ist antiquiert, verkrustet und bürokratisch - und hat sich schlicht überholt.“ Was man wirklich brauche, sei ein zentrales Fördersystem, das unabhängig von den Dachverbänden existiere.




Kommentieren