Letztes Update am Do, 25.08.2016 12:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alpbach: Mahrer wünscht sich mehr Mut in der Politik



Alpbach (APA) - Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) wünscht sich mehr Mut und Risikobereitschaft in der Politik: „Meine Observation nach zwei Jahren in der Bundesregierung und auch auf europäischer Ebene ist: Die Entscheidungen fallen viel zu langsam, mehrheitlich werden sie feige getroffen und es werden faule Kompromisse eingegangen“, so Mahrer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag beim Forum Alpbach.

„Das ist vermutlich all das, was wir in Zeiten wie diesen nicht brauchen“, meinte der Staatssekretär. „Wir würden mutige Entscheidungen brauchen, sollten wesentlich schneller entscheiden und manchmal nicht auf diese gewohnte Kompromissorientierung eingehen, sondern uns einfach die Faktenorientierung ansehen und sagen: Ok, das ist das Richtige und das ist der richtige Zeitpunkt es zu machen.“

Angesichts der Herausforderungen der seiner Ansicht nach gerade erst am Anfang befindlichen digitalen Revolution müsse man die Herangehensweise ändern, so Mahrer. „Da wird Unfassbares möglich“, verwies er auf Beispiele wie den Organdruck auf Basis der 3D-Technologie, smarte Materialien oder Emotion Tracking (Emotionsmessung über physiologische Verfahren).

Auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) war der Ansicht, dass die Technologie die Lebenswelt der meisten Menschen in den nächsten Jahrzehnten neu gestalten wird. „Die Herausforderung wird sein: Wie begegnen wir dieser Ungewissheit? Wir haben keine Ahnung, wie unsere Arbeitswelt in 15, 20 Jahren aussehen wird.“

Konsequenz: „Wir müssen Schule und Unterricht neu erfinden“, betonte Hammerschmid. Zwar wisse man, dass Sprach- und Mathematikkompetenz immer zentral sein würden. Dann gehe es aber schon um Dinge wie Kreativität, Teamfähigkeit, Mut, soziale Kompetenz, Verantwortung und Entrepreneurship. „Diese Skills müssen wir einbauen“, so die Ministerin, das funktioniere derzeit noch nicht ausreichend.

„Ist der Fächerkanon wirklich der richtige - oder müssen wir nicht ganz anders unterrichten?“, fragte Hammerschmid. Das könne beispielsweise themenzentriert sein, wo Klimawandel etwa vom Biologie- und vom Geografielehrer gemeinsam vermittelt wird. Natürlich werde es immer Spezialisten brauchen - aber eben auch solche, die über den Tellerrand hinausblicken.

Derzeit werde im Ministerium eine Gesamtstrategie im Bereich „digital skills“ erarbeitet, so Hammerschmid. Dabei gehe es nicht nur um die Ausstattung von Schulen mit Tablets oder anderen Geräten, sondern auch um die Aus- und vor allem Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte, die noch keine „digital natives“ seien. Durch neue Technologien könne man sehr einfach personifiziertes Lernen ermöglichen: So könnten sowohl besondere Talente gefördert als auch Schwächere mit Aufgaben unterschiedlicher Levels abgeholt werden.




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