Letztes Update am Do, 25.08.2016 13:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großaktionär regiert bei GfK durch - Verkaufsgerüchte



Nürnberg (APA/Reuters) - Der Mehrheitseigner der GfK greift bei dem Nürnberger Marktforscher stärker durch. Der GfK Verein, der 56,5 Prozent an dem Unternehmen hält, stellt mit dem Berater Ralf Klein-Bölting von September an den Aufsichtsratschef der GfK SE. Sein Amtsvorgänger Arno Mahlert hatte im Streit mit dem Verein seinen Rücktritt zum 12. September erklärt.

Klein-Bölting sagte, es gelte, „die richtigen Weichen zu stellen, um GfK erfolgreich in die Zukunft zu führen“. Vorrang hätten dabei die Stärkung des operativen Geschäfts und die Suche nach einem Vorstandschef. Nach einem Bericht der deutschen „WirtschaftsWoche“ prüft der Aufsichtsrat Optionen für die Zukunft des Konzerns, die „bis zu einer Fusion oder dem Verkauf von Anteilen an einen Wettbewerber reichen“.

Hoffnungen auf eine Übernahme trieben den Kurs der GfK-Aktie bis zu 8,4 Prozent nach oben. Die GfK erklärte, sie äußere sich nicht zu Marktgerüchten. Der GfK Verein war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Aktie war um mehr als 20 Prozent eingebrochen, nachdem die Firma Anfang August ihre Gewinnziele zum zweiten Mal zurückgenommen hatte. Eine Woche später kündigten Mahlert und Vorstandschef Matthias Hartmann ihren Rückzug an. Beide führten „unterschiedliche Ansichten zur langfristigen geschäftspolitischen Ausrichtung mit dem Großaktionär“ dafür an. Hartmann soll allerdings noch bis zum Jahresende bleiben. An der Börse ist die GfK gut eine Milliarde Euro wert.

Dem Magazinbericht zufolge erwägen die größeren GfK-Rivalen Nielsen und IMS Health aus den USA sowie die WPP-Tochter Kantar eine Übernahme der GfK. Bei den Unternehmen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Insidern zufolge hatte die GfK im Frühjahr das Interesse von Finanzinvestoren an einem Einstieg ausgelotet, darunter waren KKR und BC Partners. Sie winkten aber ab, weil der GfK Verein seine Mehrheitsbeteiligung nicht abgeben wollte, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen Reuters sagten. Die Private-Equity-Firmen hätten nach den Vorstellungen der Eigentümer den Streubesitz übernehmen und die GfK von der Börse nehmen sollen. Mit einer Rolle als Minderheitseigentümer geben sich Finanzinvestoren aber nur selten ab, auch weil das einen späteren Ausstieg erschwert. Die GfK erhofft sich von neuen Investoren frisches Kapital für die weitere Expansion.

Der Marktforscher war in den vergangenen Jahren im Vergleich zur internationalen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten, weil sich der Großaktionär gegen große Übernahmen sperrte. Unter anderem vereitelte er eine Fusion mit der britischen TNS. Auch Vorstandschef Hartmann sei mit seinen Plänen mehrfach am Großaktionär gescheitert, sagte ein Insider. Zudem geraten die Marktforscher unter Druck, weil Unternehmen - die Hauptkunden der GfK - dank des Internets Studien und Daten auch ohne die aufwendigen Methoden der Marktforscher erheben können. Im zweiten Quartal hatte das für den Konsumklima-Index und die Einschaltquoten im Fernsehen bekannte Unternehmen fast 140 Mio. Euro auf die Firmenwerte der in den vergangenen Jahren zugekauften kleinen Unternehmen abschreiben müssen.

Der GfK Verein, in dem hunderte Konsumgüterunternehmen und andere GfK-Kunden zusammengeschlossen sind, stellt erst seit der Hauptversammlung im Mai wieder zwei Mitglieder im Aufsichtsrat der GfK SE. Damals war auch Klein-Bölting in das Gremium gewählt worden. Der ehemalige Marketing-Experte der Deutschen Bahn und des Versandhändlers Otto hatte sich 2013 selbstständig gemacht. Der 54-Jährige führt die Markenberatung Nextbrand. Er sitzt seit sieben Jahren im Präsidium des GfK Vereins. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) war 1934 gegründet worden. Im Vorstand saß damals auch der spätere „Vater des Wirtschaftswunders“ und Bundeskanzler Ludwig Erhard.

~ WEB http://www.gfk.com/ ~ APA325 2016-08-25/13:33




Kommentieren