Letztes Update am Fr, 26.08.2016 12:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele: Pollini, der Profi



Salzburg (APA) - Mit Chopin begann einst Maurizio Pollinis Karriere, heute ist der Pianist über 70, und seine Chopin-Interpretationen sind gefeierter denn je. Warum der Chopin-Profi sich diesen Beinamen verdient hat, zeigte er gestern, Donnerstag, im Großen Festspielhaus. Allerdings erst nach Schumann und Schönberg.

Mit den sechs kleinen Klavierstücken von Schönberg eröffnete er das Konzert. Eine Widmung an Pierre Boulez. Mit Schumanns „Fantasie in C-Dur“ hat er sich danach ein sehr autobiografisches Werk ausgewählt. Der Komponist verarbeitete darin einen sehnsuchtsvollen Sommer, den er auf Geheiß seines späteren Schwiegervaters ohne seine geliebte Clara Wieck verbringen musste. Pollini, bekannt für seinen glasklaren Anschlag, kommt auch trotz noch so romantischen Grundstoffs nicht annähernd in Versuchung einer verschwommenen, säuselnden Interpretation. „Durchaus fantastisch und leidenschaftlich vorzutragen“, beschrieb Schubert den ersten Satz und so hat er ihn komponiert, da tut die Pollini‘sche Nüchternheit gut dazu.

Chopin, ganz klar. Dass Chopins Musik oftmals von zu viel Pedaleinsatz in Mitleidenschaft gezogen wird, das ist ein altbekanntes Leiden. Pollini setzt dieses Hilfsmittel bewusst reduziert ein und es fehlt zu keiner Sekunde, im Gegenteil, es gibt Chopins Balladen einen besonderen Beigeschmack. Es sind eben nicht nur melancholische Stücke voller Sehnsucht und Dramatik, sondern technisch höchst präzise ausgesetzte Werke. Diesen Eindruck unterstützt die Tatsache, dass sich Pollini - außer seinem klaren Anschlag - die Vorzüge eines Fabbrini Steinway zu Nutzen macht. Diese Instrumente sind für die Reinheit ihres Anschlags berühmt, welchen sie nach einer Behandlung in der italienischen Werkstatt Fabbrini erhalten.

Wer Maurizio Pollini kennt, weiß, wie sein Chopin klingt. Auch als Chopin-Meister ändert man sich mit über 70 nicht mehr grundlegend. Dennoch bleibt an diesem Abend besonders Chopins „Nocturne Nr. 2 in Des-Dur“ in Erinnerung. Das Stück wird gerne als Vorzeigeobjekt kräftiger Technik benutzt. Dichte Dreiklangsprünge und Akkorde laden zu großer Lautstärke ein. Die Interpretation des Italieners ist dagegen leise und schlicht gehalten und fern von jeglicher Effekthascherei.

Pollini ist nicht zum ersten Mal in Salzburg, auch in den letzten Jahren verzauberte er hier sein Publikum. Zwei Zugaben gibt er, eher lässt ihn das Publikum nicht gehen. Die sind natürlich, ganz programmgetreu, von Chopin. Und Besuchern seines letztjährigen Konzerts bei den Festspielen auch nicht unbekannt.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)




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