Letztes Update am Fr, 26.08.2016 14:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drohnen, Helikopter, Hunde bei Vermisstensuche in Amatrice



Arquata del Tronto (APA) - Zweieinhalb Tage nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien ist die Suche nach Vermissten in der Region um die Apennin-Bergstadt Amatrice voll im Gange. Mit Drohnen, Hubschraubern, Spürhunden und bloßen Händen: Feuerwehrleute, Militärs und ehrenamtliche Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, um Vermisste aus den Trümmern zu befreien.

Die Hoffnung, Vermisste lebend zu bergen, schwindet von Stunde zu Stunde. Cesare Caprarelli ist vor wenigen Stunden in Amatrice eingetroffen. In seinem Auto hat er eine kleine Drohne verstaut, die er selbst gebastelt hat. „Normalerweise benutze ich Drohnen für die Filmindustrie, jetzt lasse ich sie hochsteigen, um Aufnahmen des Erdbebengebiets den Rettungseinheiten zur Verfügung zu stellen“, berichtet der gebürtige Römer im Gespräch mit der APA.

Caprarelli, Gründer der in Luftaufnahmen spezialisierten Firma „Aerosteadycam“ zählt italienweit zu den erfahrensten Drohnenbauern. „Drohnen können mit Batterien circa 40 Minuten lang fliegen. Wir brauchen eine freie Fläche, um sie hochsteigen zu lassen. Sie können mittels Fernbedienung auf zwei Kilometer Entfernung gesteuert werden und erreichen dabei auch Orte, wo Menschen nicht hinkommen können. Sie liefern den Rettungsteams wichtige Informationen über die verschütteten Orte“, schildert Caprarelli.

Auf einer großen Wiese unweit von Amatrice ist ein Helikopter-Pilot des italienischen Heeres zum Start bereit. „Ich überfliege die Stadt, damit wir uns nach den Einstürzen infolge des letzten schweren Erdstoßes am Freitagvormittag ein Bild machen können. Wegen der ständigen Nachbeben ändert sich das Szenario Amatrices kontinuierlich. Das erschwert die Arbeit der Rettungsteams erheblich“, sagt Roberto.

Wo Drohnen und Hubschrauber nicht hinkommen, schaffen es Ace und Mambo, zwei Border Collies, die extra aus Malta eingetroffen sind, um den Rettungsteams in Amatrice bei der Suche nach Überlebenden Hilfe zu leisten. „Als wir vom Erdbeben in Italien gehört haben, haben wir keine Sekunde lang gezögert und sind ins Flugzeug nach Rom gestiegen. Jetzt sind wir hier“, sagt John Guera, Leiter des maltesischen Spürhundeverbands „SOS Malta K9“. „Zweieinhalb Jahre braucht man, um einen Spürhund zu dressieren. Schäferhunde, Labradors und Border Collies sind besonders geeignet. Wichtig ist jedoch der volle Einklang zwischen Hund und seinem Herrn“, erzählt Guera.

14 Jahre war Guera Chef des Zivilschutzes in Malta. Jetzt stellt er seine erfahrenen Hunde für Suchaktionen in Katastrophengebieten zur Verfügung. Ace und Mambo arbeiten nicht alleine. Aus Rom ist die vierjährige Labrador-Hündin Virgola mit ihrem Herrchen Fabio Carloni eingetroffen. „Ein Stückchen Fleisch ist für Virgola die Belohnung für stundenlange Arbeit in schwierigsten Umständen. Ich war mit meinen Hunden schon im Erdbebengebiet L‘Aquila vor sieben Jahren im Einsatz. Auch bei eingestürzten Gebäuden werden meine Hunde gerufen, um mit den Rettungsmannschaften zusammenzuarbeiten“, berichtet Carloni.

Wenn Virgola nicht geraden in Katastrophengebieten unterwegs ist, wird die Labrador-Hündin bei tiergestützten Therapien für Behinderte eingesetzt. „Labradore sind dank ihres gutmütigen Charakters und ihrer Geduld für Therapien besonders geeignet“, lobt Carloni. Geduld braucht Virgola ganz dringend. Denn der schwarzen Hündin steht jetzt ein langer Tag bei der Suche nach Vermissten bevor. Die Liste der verschollenen Menschen in Amatrice ist noch lang.




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