Letztes Update am Sa, 27.08.2016 16:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Patientenschützer fordern Reform des deutschen Heilpraktikergesetzes



Dortmund (APA/dpa) - Nach dem Tod von drei Patienten einer alternativen Krebspraxis am Niederrhein in Deutschland werden dort Rufe nach Einschränkungen für die Behandlung durch Heilpraktiker laut. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnete das Heilpraktikergesetz als „Relikt aus dem Jahr 1939“. Heilpraktiker gibt es nur in Deutschland.

Vorstand Eugen Brysch sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagausgabe): „Für die Sicherheit der Patienten muss es dringend reformiert werden.“ Auch der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, übte Kritik. Es sei nicht vertretbar, dass Heilpraktiker die Behandlung von Krebspatienten übernehmen, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“ vom Samstag) sagte. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker sieht hingegen keinen Handlungsbedarf, es gebe klare Regelungen und Überprüfungen.

„Während es für die Zulassung als Heilpraktiker in Deutschland keine hohen Hürden gibt, gehen Nachbarländer wie Österreich und die Niederlande einen anderen Weg“, sagte Brysch. In Österreich gibt es diese Berufsform überhaupt nicht. Die Therapie von Krankheiten ist den Ärzten vorbehalten, die auch Aufgaben an andere Heilberufe delegieren können.

Der deutsche Patientenschützer sagte, erforderlich seien eindeutige Vorgaben, was ein Heilpraktiker in Deutschland tun dürfe und was nicht. „Sowohl für Heilpraktiker als auch für ihre Heilmittel darf nicht länger gelten: Alles ist erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist.“ Im Sinne des Patientenschutzes müsse die Regel umgekehrt werden: „Verboten ist, was nicht erlaubt ist.“

„Wir sehen keinen Handlungsbedarf“, sagte der Landesvorsitzende NRW des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker, Rainer Krumbiegel. Es sei klar geregelt, was Heilpraktiker tun dürften und was nicht. Die Ermittlungen der zuständigen Justiz konzentrieren sich nach den drei Todesfällen auf die Verwendung der Substanz „3-Bromopyruvat“ (3-BP). Sie ist als Arzneimittel in Deutschland nicht zugelassen. Ihre Anwendung ist aber auch nicht ausdrücklich verboten. Der Heilpraktiker habe die Substanz einsetzen dürfen, erklärte die Staatsanwaltschaft Krefeld am Freitag. Möglicherweise sei der Stoff verunreinigt oder nicht richtig dosiert gewesen.




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