Letztes Update am So, 28.08.2016 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alarmstufe Gelb: Extraschutz für EU-Parlamentarier in Straßburg



Straßburg (APA/dpa) - Frankreich hat einen unruhigen Sommer hinter sich. Aus Angst vor Anschlägen wurden viele Veranstaltungen abgesagt. Das beschauliche Straßburg muss auch die Sicherheit der EU-Politiker im Blick haben.

Es ist eine große Kreuzung im Nordosten Straßburgs. Dort, wo der kleine Fluss Ill und ein Rheinkanal sich kreuzen, haben das EU-Parlament, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und der Europarat ihren Sitz. Aus dem elsässischen Strossburi wird hier die Eurometropole Strasbourg. Die Stadt schmückt sich mit der internationalen Bedeutung, die ihr die „institutions europeennes“ geben. In einer Zeit, in der Frankreich von Terroranschlägen gebeutelt wird, geht damit aber auch ein Sicherheitsrisiko einher. Vor allem dann, wenn einmal im Monat die Politprominenz der Europäischen Union (EU) für ein paar Tage aus Brüssel anreist.

Mitte September ist es wieder so weit. Die EU-Parlamentarier versammeln sich zur Plenarwoche in Straßburg. Im Schlepptau haben sie ihren Mitarbeiter-Tross und seit einer Weile auch die EU-Kommissare, deren wöchentliche Sitzung dann ebenfalls in Straßburg stattfindet.

In den weißen Containern vor dem Parlamentsgebäude werden Sicherheitsleute Taschen scannen und Personalien checken - Mitarbeiter, Journalisten, Besucher werden getrennt voneinander kontrolliert. Wer im Gebäude umherlaufen will, muss einen entsprechenden Ausweis sichtbar tragen.

Weiß, gelb, orange, rot - mit diesen Farben markieren die europäischen Institutionen ihre Alarmstufen. Seit den Anschlägen von Paris im vergangenen November gilt die gelbe Alarmstufe, was einige Zusätzen bei den Eingangskontrollen mit sich bringt.

Man habe entschieden, daran auch nach dem Anschlag in Nizza nichts zu ändern, sagt ein Sprecher des Parlaments. Am Nationalfeiertag war ein Mann auf der Promenade der südfranzösischen Stadt mit einem Lastwagen in die Menge gerast und hatte dabei 86 Menschen getötet. Es war der tödlichste in einer Reihe weiterer Terrorangriffe, die Frankreich in diesem Sommer erlebt hat. Die Regierung verlängerte den Ausnahmezustand. Die Städte diskutierten über die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen.

Lille sagte sein größtes Volksfest - die „Braderie de Lille“ - ab. In Straßburg fand diese Mischung aus Schlussverkauf, Flohmarkt und Straßenfest dagegen statt, wenn auch unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Von den knapp 20 Brücken, die über den Ill-Kanal in die Altstadt führen, waren nur einige wenige geöffnet. Am Eingang kontrollierten Polizisten die Taschen. Auf den Balkonen waren Scharfschützen zu sehen. Autos durften in der Gegend nicht parken. Soldaten patrouillierten durch die Straßen.

Militär, Taschen- und Eingangskontrollen - die Besucher aus Brüssel kennen das. Zu dem netten Städtchen im Elsass, das bei Touristen so beliebt ist, passen die Sicherheitsmaßnahmen dagegen weniger. Während die belgische Hauptstadt gut eine Million Einwohner hat, leben in Straßburg - die umliegenden Gemeinden nicht mitgezählt - nur rund 270.000 Menschen.

Trotzdem gehört das Militär mittlerweile zum Stadtbild - auch ohne Braderie und nicht nur an Touristen-Hotspots wie dem Münsterplatz. Gerade im Europaviertel sieht man immer wieder Männer und Frauen in Tarnfarben, mit dicker Schutzweste um den Oberkörper und Maschinenpistole über der Schulter.

„Die europäischen Institutionen waren immer Gegenstand einer besonderen Überwachung“, sagt Dominique Jane von der Präfektur Bas-Rhin, die für die Sicherheit der Gebäude von außen zuständig ist. Innen übernehmen die Institutionen ihren Schutz selbst. Seit den Pariser Anschlägen im November stehen sie mit der Präfektur in regelmäßigem Austausch über alle Sicherheitsbelange, betonen Sprecher von Parlament und Europarat.

„Wir sind sehr wachsam, was die Sicherheit der europäischen Institutionen in Straßburg angeht“, sagt Jane. Anzeichen dafür, dass Straßburg eher Ziel eines Anschlags sein könnte als andere Städte, gebe es zwar nicht. Dennoch sei man sich der besonderen Stellung als europäische Hauptstadt bewusst.




Kommentieren