Letztes Update am Mi, 31.08.2016 08:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zuwachs im heimischen Popzirkus: Lovecat und Granada mit Debütalben



Wien (APA) - Vom neuen Selbstverständnis heimischer Popmusik ist schon länger die Rede. Wanda, Bilderbuch, Seiler & Speer sind die großen Namen, Voodoo Jürgens ist ein oft genannter Hype-Act auf dem Sprung. Aber natürlich hört es da nicht auf, wie Lovecat und Granada beweisen. Beide veröffentlichen im September ihre gelungenen, sehr unterschiedlichen Debüts. Zeit, der Heimat wieder Aufmerksamkeit zu widmen.

Wobei David Haering, der als Lovecat mit der Platte „The Great Catsby“ am 9. September den Anfang machen wird, ganz auf eine internationale Ausrichtung setzt. Englischsprachiger Synthie-Pop der zugänglichen Sorte ist es nun auf Albumlänge geworden, nachdem bereits vor fünf Jahren die EP „Tracking Heartbeats“ einen ersten Vorgeschmack lieferte. Seitdem war Haering keineswegs untätig, hat diverse Singles veröffentlicht und für Morrisseys Co-Songwriter Boz Boorer einen Remix angefertigt. Im eigenen Fach lässt er nun die 80er hochleben.

Es ist eher der Gestus der Pet Shop Boys als jener von The Smiths, den das Debüt von Lovecat versprüht. Schon der Opener „Lovesong“ gefällt sich im fein abgestimmten Discomodus und soll Kopf wie Beine gleichermaßen ansprechen. Auf der Habenseite steht für Haering jedenfalls ein Händchen, was rhythmische Akzentuierung betrifft, der er einen leicht verfremdeten, deshalb aber nicht minder lieblichen Gesang gegenüberstellt. Stampfend gelingt das Duett mit Jill Possible („Song For Eternity“), während „Late At Your Grave“ trotz morbiden Titels eine Spur gemütlicher daherkommt. Am besten funktioniert das Sound von Lovecat immer dann, wenn verspielte Instrumentierung und Retrocharme Hand in Hand gehen. Live stellt Haering, der seinen Künstlernamen von einem The-Cure-Song hat und eigentlich eher Hunde- denn Katzenfreund ist, das Debüt am 6. September im Wiener B72 vor.

Effi war gestern, Granada ist heute: Thomas Petritsch hat offenbar Gefallen am eigenen Idiom gefunden und geht nach den zwei Alben „Astronaut“ und „Closer“ mit neuem (Band-)Pseudonym auf musikalische Reise. Der Grazer hat dafür eine vierköpfige Formation um sich versammelt, der Lukacz Custos (Gitarre, Gesang), Roland Hanslmeier (Schlagzeug), Jürgen Schmid (Bass, Gesang) sowie Alexander Christof (Akkordeon, Gesang) angehören. Als Granada liefern sie ab dem 16. September auf dem gleichnamigen Erstling eine wunderbar zeitgemäße Mischung aus Pop, Indie, Folk und viel Lokalkolorit.

Ganz unbekannt sind die Stücke dabei nicht, haben doch die Wien-affinen Songs „Ottakring“ und „Eh ok“ schon in der heimischen Komödie „Planet Ottakring“ für beschwingte Stimmung gesorgt. Denn das Quintett, dem Sportfreunde-Stiller-Produzent Oliver Zülch an den Reglern den letzten Schliff verpasste, weiß, wie man sommerliche Gefühle evoziert. Bestes Beispiel ist die aktuelle Single „Pina Colada“, die flugs in die Südsee entführt, dabei aber so wunderbar und unverkennbar österreichisch bleibt, dass man mehr als nur anerkennend mit dem Kopf nicken muss.

Wo alter und neuer Austropop durchschimmern, verstehen es Petritsch und Co glücklicherweise aber auch, sich nicht zu sehr auf Erprobtes zu verlassen. Stattdessen könnte man auch Zach Condons weltmusikalischen Zauberkasten Beirut als Referenz nennen, wenn abwechslungsreich instrumentiert und ohrwurmtauglich gesungen wird. Insofern gelingt es Granada, dass man sich dem Herbstbeginn zum Trotz nach „Palmen“ sehnt - auch wenn sie nur am Balkon stehen. Auf diese Weise kann die Band wohl auch im Winter Sonne und Meer in die Ohren zaubern, ist sie doch etwa am 12. Dezember im Grazer PPC und tags darauf im Wiener WUK zu erleben.

(S E R V I C E - http://iamlovecat.tumblr.com; www.facebook.com/granadamusik)




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