Letztes Update am So, 04.09.2016 10:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bürgermeister von Mussolini-Geburtsort erhielt Auszeichnung



Rom/Innsbruck (APA) - Giorgio Frassineti, Bürgermeister der norditalienischen Ortschaft Predappio, Geburtsort des Diktators Benito Mussolini (1883-1945), ist am Samstagnachmittag mit dem diesjährigen Austrian Holocaust Memorial Award ausgezeichnet worden. „Diese Auszeichnung ist eine Anerkennung für die Bemühungen Predappios, sich mit seiner faschistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen“, sagte Frassineti.

„Mit unserem Einsatz für ein Faschismus-Museum wollen wir uns mit dem Thema totalitärer Regimes in Europa befassen, eine Frage, die besonders aktuell ist“, sagte der Bürgermeister Predappios.

„Giorgio Frassineti verfolgt mit seinem lokalen Projekt eine große europäische Vision. Er ist ein zutiefst überzeugter Demokrat und er befürchtet, dass die Demokratie in Europa gefährdet ist. Er ist ein mutiger Politiker, dessen Geschichtspolitik weit über die Grenzen Italiens hinausgeht“, berichtete der Initiator des Preises und Gründer des österreichischen Gedenkdienstes, Andreas Maislinger, im Gespräch mit der APA in Rom.

Der Austrian Holocaust Memorial Award (AHMA) wurde im Jahr 2006 vom Innsbrucker Verein Österreichischer Auslandsdienst gestiftet. Alljährlich wird eine Person oder Organisation, die sich durch spezielles Engagement im Bereich der Gedenkarbeit verdient gemacht hat, mit diesem Preis geehrt. Nach Preisverleihungen in China, Brasilien, Frankreich, USA, Australien, Polen, England, Deutschland, Lettland und Argentinien geht der Preis dieses Jahr somit erstmals nach Italien.

In Predappio soll dank Frassinetis Einsatz 2019 das erste Faschismus-Museum Italiens eingeweiht werden. Es soll im früheren Hauptquartier der Faschistischen Partei in dem 40 Kilometer südwestlich von Ravenna gelegenen Ort eingerichtet werden. Mit dem Museum soll an die 21-jährige Herrschaft der Faschisten in Italien erinnert werden.

Mussolini war im Jahr 1883 als Sohn eines sozialistisch gesinnten Schmiedes in Predappio unweit von Rimini zur Welt gekommen. Er ist in dieser Kleinstadt auch begraben. Hier befindet sich ein Museum mit Bildern, Dokumenten und Briefen des Diktators, das jährlich von Tausenden von Nostalgikern des Faschismus besucht wird.




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