Letztes Update am Mi, 07.09.2016 09:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ars Electronica: Physiker zeigen wie sich Lichtpuls durch Raum bewegt



Wien/Linz (APA) - 1878 machte der britische Foto-Pionier Eadweard Muybridge mit seinen Serien-Aufnahmen im Millisekunden-Bereich Bewegungsabläufe sichtbar. Mit Spezialaufnahmen im Nanosekunden-Bereich zeigen nun österreichische Physiker bei der Ars Electronica in Linz in dem Kunstprojekt „SEEC Photography“, wie sich ein Lichtpuls durch den Raum bewegt und nach und nach einen Gegenstand oder eine Person beleuchtet.

Licht legt in einer Sekunde rund 300.000 Kilometer zurück, in einer Nanosekunde (einer Milliardstel Sekunde) sind es 30 Zentimeter. Wenn man also in einem Zimmer eine Lampe aufdreht, dauert es einige Nanosekunden, bis tatsächlich der gesamte Raum ausgeleuchtet ist. Für das menschliche Auge ist dieser Vorgang viel zu schnell und damit nicht wahrnehmbar.

Das gilt nicht für die neue Laborausstattung, die der aus Peuerbach (OÖ) stammende Physiker Thomas Juffmann von der Stanford University (USA) im vergangenen Jahr erhalten hat. Dazu zählt ein Laser für ultrakurze Laserpulse und eine Spezialkamera, die Verschlusszeiten von bis zu 0,2 Nanosekunden erlaubt - eine Zeit, in der das Licht gerade einmal sechs Zentimeter zurücklegt.

„Deshalb haben wir gesagt, dass wir mit diesem Equipment sehen müssten, wie ein Lichtpuls durch den Raum geht - und das konnten wir dann auch“, sagte Juffmann zur APA. Gemeinsam mit seinem aus Großkrut (NÖ) stammenden Physiker-Kollegen Philipp Haslinger, der an der University of California in Berkeley arbeitet, und der Künstlerin Enar de Dios Rodriguez, die am San Francisco Art Institute und an der Angewandten in Wien studiert hat, „haben wir uns gedacht, dass es noch viel faszinierender wäre, wenn wir den Laserstrahl aufweiten und über Gegenstände oder Personen schicken würden. Wir schauen dadurch Licht, also Photo-, beim Schreiben, also -graphie, eines Bildes zu“.

So entstand an der Schnittstelle Wissenschaft-Kunst das Projekt „SEEC Photography“ - zusammengesetzt aus „see“ (englisch „sehen“) und „c“, das Formelzeichen für die Lichtgeschwindigkeit (299.792.458 Meter pro Sekunde).

Mit femtosekunden-kurzen Laserpulsen im Infrarotbereich, die durch eine Linse aufgeweitet werden, werden Gegenstände und Personen beleuchtet und die Wanderung des Lichtpulses in kurzen Filmen dokumentiert. In den schwarz-weiß gehaltenen grobkörnigen Filmen, die in milliardenfacher Zeitlupe abgespielt werden, sieht man klar, wie das Licht zunächst etwa die Fingerspitzen erreicht und erst später den Handrücken beleuchtet oder die Nase vor den Wangen oder Ohren wieder in den Schatten taucht.

Es sind aber nicht so sehr die Objekte bzw. Personen vor der Kamera, die im Mittelpunkt der Aufnahmen stehen. Vielmehr spielt das Licht selbst die Hauptrolle, wie es über die Objekte bzw. Personen wandert, diese wieder in der Dunkelheit verschwinden, ehe der Lichtpuls schließlich die Rückwand des Zimmers erreicht. Am unteren Bildrand dokumentiert eine Zeitleiste mit zwölf Stellen hinter dem Komma die unvorstellbar kurzen Zeitspannen der Lichtreise.

Im Sommer wurden die Filme erstmals in einer Galerie in Oakland bei San Francisco gezeigt. Am Donnerstag und Freitag ist „SEEC Photography“ im Rahmen der Ars Electronica im Deep Space 8K des Ars Electronica Centers zu sehen.

(SERVICE - Internet: www.seecphotography.com; SEEC Photography auf der Ars Electronica: http://go.apa.at/cRGFbdvl)




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