Letztes Update am Di, 13.09.2016 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reisebericht der besonderen Art: „Nomadic Artefacts“ im Theseustempel



Wien (APA) - Wenn Objekte zu Erzählern und Weltreisenden werden: Der Theseustempel im Wiener Volksgarten beherbergt in den kommenden Wochen ganz spezielle Gegenstände. Aus der Sammlung des Weltmuseums Wien gespeist, findet man dort ethnografische Artefakte aus der Mongolei. Mittels künstlerisch-wissenschaftlichem Ansatz werden diese „Nomadic Artefacts“ mit Querverbindungen aufgeladen.

Die Schau ist das Ergebnis des gleichnamigen Projekts am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das vom Wiener Wissenschafts-, Technologie- und Forschungsfonds gefördert wurde. So entstand letztlich ein Reisebericht, der für die ausgewählten Gegenstände nicht nur deren verworrene Wege von ihrem Ursprungsort bis nach Wien nachvollziehbar macht, sondern auch jene kulturellen wie gesellschaftlichen Hintergründe oder Institutionen beleuchtet, die sie dabei durchlaufen haben.

Im Zentrum stehen jene Objekte, die vom Forschungsreisenden Hans Leder (1843-1921) während seiner Reisen in die Mongolei um 1900 zusammengetragen wurden. Bis zu ihrer heutigen Heimat haben sie in den vergangenen mehr als 100 Jahren verschiedene Stationen durchlaufen, worauf etwa Inventarlisten und Korrespondenzen Hinweise geben. Aber nicht nur die Masken oder Figuren selbst, sondern auch die damit vertrauten Personen während vor Augen geführt - allen voran hinsichtlich ihrer Netzwerke und Verbindungen zwischen Asien und Europa.

Das Team um Maria-Katharina Lang, die die Ausstellung kuratiert hat, thematisiert überdies die Zuschreibungsänderung der Objekte. Handelte es sich ursprünglich um Gegenstände des täglichen Gebrauchs, stehen sie mittlerweile als Ausstellungsstücke in einem ganz anderen Kontext. Zusätzliche Bedeutung erfahren sie durch das Schicksal, das ihnen aufgrund der politischen Repressionen in der Mongolei gedroht hätte, wo viele ähnliche Objekte in den 1930er-Jahren versteckt, konfisziert oder zerstört wurden, wie es in den Presseunterlagen zur Schau heißt. Andererseits sind es danach entstandene Museen, die eine zwiespältige Rolle zwischen Propaganda und Ort der Gestaltungsmöglichkeit eingenommen haben.

Dieser „Scientific Artistic Travelogue“, so der Untertitel der Dienstagabend eröffnenden Ausstellung, geht aber über die museale Darstellung hinaus. Am 20. September gibt es etwa ein Konzert mit mongolischer Pferdekopfgeige und Obertongesang, eine Woche später steht eine Lesung des heimischen Autors Christoph Ransmayr an. Zum Abschluss der Schau im von Kunsthistorischen Museum bespielten Theseustempel gibt es am 4. Oktober eine Vortrag von Khambo Lama Baasansuren, Abt des Klosters Erdene Dsuu. Die Artefakte sind bis 9. Oktober zu sehen.

(S E R V I C E - Ausstellung „Nomadic Artefacts. A Scientific Artistic Travelogue“ von 14. September bis 9. Oktober im Theseustempel, Volksgarten, 1010 Wien. Täglich von 11 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt. www.nomadicartefacts.net; www.khm.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder zur Ausstellung stehen unter http://press.khm.at zum Download bereit.)




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