Letztes Update am Di, 29.11.2016 19:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Private Mondmission hat Startvertrag und will Apollo-Reste besuchen



Wien/Berlin (APA) - Das Berliner Unternehmen PTScientists hat mit der US-Firma Spaceflight einen Start-Vertrag für den Flug zum Mond unterzeichnet, gaben die „Part Time Scientists“ Dienstagabend in Berlin bekannt. Das Team mit starker österreichischer Beteiligung will frühestens Ende 2017 das erste private Fahrzeug auf dem Mond fahren lassen und dabei auch den historischen Landeplatz der Apollo 17-Mission besuchen.

Das Unternehmen Google hat 2007 den Wettbewerb „Google Lunar X-Price“ (GLXP) ausgelobt. Jenem zumindest zu 90 Prozent aus privaten Mitteln finanzierten Team, dessen Mondfahrzeug (Rover) 500 Meter auf dem Erdtrabanten zurücklegt, winken 30 Millionen Dollar Preisgeld. Seit 2008 arbeiten die PTScientists an dem Projekt, anfangs noch als Verein, mittlerweile als Unternehmen mit zwölf Vollzeit- und deutlich mehr „Teilzeitforschern“, wobei das Team zu etwa 50 Prozent aus Österreichern besteht.

Bis Ende des Jahres müssen die 16 noch im GLXP-Rennen befindlichen Teams eine Startvereinbarung vorlegen, um weitermachen zu können. Man habe sich für den Broker Spaceflight Inc. entschieden, um flexibel zu sein, sagte der aus Österreich stammende technische Leiter der PTScientists, Jürgen Brandner, zur APA. Es handle sich dabei quasi um ein Reisebüro für Weltraumflüge, das die günstigste Startmöglichkeit suche. Man sei mit der Vereinbarung dem Ziel, die erste private Mondmission zu realisieren, einen Riesenschritt näher gekommen. Das Startfenster beginnt laut Brandner im Dezember 2017 und reicht bis weit in das Jahr 2018 hinein.

Als Landeplatz am Mond hat das Unternehmen das Taurus-Littrow-Tal ausgewählt, das auch Ziel der Apollo 17-Mission im Dezember 1972 und damit der bisher letzte Platz war, an dem Menschen den Mond betreten haben. Man wolle allerdings mindestens in drei Kilometer Entfernung vom Apollo-Landeplatz aufsetzen, um keine historischen Spuren zu zerstören, sagte Brandner. Auf dem Landeplatz stehen nach wie vor u.a. der Unterbau der Landefähre und das Mondauto. Mit diesem „Lunar Roving Vehicle“ legten die Astronauten Gene Cernan und Harrison Schmitt mehr als 30 Kilometer auf der Mondoberfläche zurück.

Die PTScientists hoffen, mit ihrem einen Meter langen, 75 Zentimeter breiten und etwa 60 Zentimeter hohen Rover mit einer Masse von 30 Kilogramm in die Nähe dieser historischen Apollo-Reste zu kommen und Fotos machen zu können. Zwei dieser Fahrzeuge namens „Audi lunar quattro“ sollen mit der etwa 210 Kilogramm schweren Landeeinheit „Alina“ (Autonomous Landing and Navigation Module) auf dem Mond abgesetzt werden.

„Alina“ kann eine Nutzlast mit einer Masse von bis zu 100 Kilogramm bis zum Mond transportieren. „Hilfe“ braucht die Landeeinheit dabei nur beim Start von der Erde, ab einer Höhe von 35.000 Kilometern erledigt sie die restliche, fünftägige Reise zum Mond autonom.

Die PTScientists wollen in ihrem Unternehmen über den Wettbewerb hinaus „zukunftsträchtige Produkte“ für die private Raumfahrt entwickeln. Es gehe vor allem darum, eine günstige Plattform für Forschungseinrichtungen oder kleinere Unternehmen zu bieten, damit diese Technologie auf den Mond bringen können, so Brandner. Das System sei aber so vielseitig, dass man es in einer Konfiguration auch bis zum Marsmond Phobos schaffen könnte. „Wir stellen hier ernsthafte Überlegungen für Folgemissionen an“, sagte Brandner.

(S E R V I C E - http://ptscientists.com; http://microsites.audi.com/mission-to-the-moon/de; Video: http://bit.ly/mttm-video)

(AVISO: Bilder von den Rovern sind im AOM abrufbar.)




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