Letztes Update am Fr, 03.02.2017 05:03

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Grüne Wirtschaft will System der Lehre umkrempeln



Wien (APA) - Passend zu den Semesterferien, in denen es für Schüler entsprechender Schulstufen oft auch um Überlegungen zur weiteren Ausbildung geht, hat die Grüne Wirtschaft Forderungen für neue Wege in der Lehre aufgestellt. Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels gehe es um eine Modernisierung der Fachkräfteausbildung, sagte die Chefin der Grünen Wirtschaft, Sabine Jungwirth, im APA-Gespräch.

Wegen die Änderungen der modernen Lebenswelten müsse auch die Lehre angepasst werden, so Jungwirth. Obwohl das heimische Modell der dualen Ausbildung ein sehr gutes sei, müsse es angepasst werden, um neuen Anforderungen an Lehrlinge im bestehenden System gerecht zu werden. Die Grünen stellen sich teilweise weitreichende Änderungen vor.

Das System gehöre so umgestellt, dass kleinste, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mehr Lehrlinge ausbilden, so Jungwirth. Derzeit konzentriere sich die Lehrausbildung zunehmend auf Großunternehmen. Diesem Trend müsse man entgegenwirken, sagt Jungwirth und untermauert ihre Aussagen mit Zahlen des IBW. Die Lehrlingszahlen gehörten aber auch insgesamt gesteigert, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

Die Spezialisierung führe dazu, dass kleine Firmen immer weniger Lehrlinge ausbilden. Denn dadurch könnten kleinen Firmen oft nur einen Teil der Ausbildung abdecken. Außerdem sei die Auftragslage, bei Kleinen unsicherer als bei Großen.

Ausbildungsverbünde könnten Abhilfe schaffen, meint Jungwirth. Dann könnten sogar Einpersonenunternehmen (EPU) in die (Teil-)Ausbildung von Lehrlingen einsteigen. Verbünde sollten über Berufsschulen organisiert werden. Dazu müssten die Berufsschulen zu Kompetenzzentren in den Regionen ausgebaut werden. „Sie sollen zur zentralen Drehscheibe aller Dinge rund um die Berufsausbildung werden.“ Dazu gehöre auch die Berufsorientierung. Die Berufsschule nach grüner Fasson „soll die Stelle sein, wo sich junge Leute melden, wenn sie eine Ausbildung machen wollen und wo Betriebe ihre Ausbildungsmöglichkeiten anbieten - und die Berufsschule koordiniert das ganze. Sie macht auch den Lehrvertrag mit den Jugendlichen - damit man in der Ausbildung zwischen Betrieben rochieren kann.“

Die Berufsschule solle das gesamte Matching zwischen den Jugendlichen und Betrieben machen. „Große Betriebe können trotzdem Jugendliche zur Gänze ausbilden“, sagt Jungwirth. Die Qualitätssicherung der Lehre solle auch über die Berufsschule erfolgen - mit Gesprächen zu Beginn der Lehrzeit und halbjährlich.

Und die Finanzierung? „Aus unserer Sicht wäre das so: Alle Betriebe sollen in einen Fonds einzahlen, in den auch die bisherigen Lehrlingsförderungen sollen. Aus diesem Fonds heraus wird die Ausbildungsentschädigung bezahlt. Das wäre sinnvoll, weil es eine Solidarabgabe wäre. Damit steigt auch die Motivation von Betrieben, die bisher nicht ausbilden,“ glaubt die Grüne. Denn einzahlen sollten alle, ob sie ausbilden oder nicht.

Die Ausbildungsentschädigung für die Lehrlinge aller Berufe solle einheitlich, wenn auch gestaffelt nach Lehrjahren ausfallen. Das wiederum würde zur Gleichstellung zwischen Mann und Frau beitragen. „Wenn Burschen und Mädchen schon in der Lehre gleich viel verdienen, werden es sich erwachsene Frauen nicht gefallen lassen, für die selbe Arbeit weniger zu bekommen, als Männer.“

Einerseits würde es sich um einen General-Kollektivvertrag handeln und anderseits würde das Lehrthema vom S zu den Berufsschulen wandern. Teil des Modells ist auch die von den Grünen gewünschte Gesamtschule mit zehn Pflichtschuljahren, ergänzt Jungwirth.

Die Grüne kritisierte im Gesamtzusammenhang auch das Bildungsministerium, für das die „Ausbildungspflicht“ bisher mehr Schlagwort als Realität sei. Denn es gebe viel zu wenige Aktivitäten, um die Ausbildungspflicht tatsächlich umzusetzen. Bisher würden nur Produktionsschulen genannt, das sei aber viel zu wenig und schlussendlich unverantwortlich gegenüber den Eltern, meinte Jungwirth.

~ WEB http://www.gruene.at ~ APA027 2017-02-03/05:01




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