Letztes Update am Mo, 13.02.2017 10:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Saure Häppchen - Volksoper lieferte „Limonen aus Sizilien“ ins Kasino



Wien (APA) - Das Leben ist keine Limonade. In einer Kooperation mit dem Burgtheater hat die Wiener Volksoper „Limonen aus Sizilien“ ins Kasino am Schwarzenbergplatz geliefert. Komponist Manfred Trojahn hat dabei tragische Familiengeschichten zu einem Triptychon verwoben. Seine drei sauren Häppchen wurden vom Publikum bereitwillig geschluckt, seine „Moderne mit Augenmaß“ kam Sonntagabend ausnahmslos gut an.

Familie verbindet. Trojahn und sein Librettist Wolfgang Willaschek haben drei voneinander zeitlich wie thematisch unabhängige Einakter aus der italienischen Bühnentradition als Vorlagen verwendet: „Der Schraubstock“ („La morsa“), „Limonen aus Sizilien“ („Lumie di Sicilia“) von Luigi Pirandello sowie „Eine Freundschaft“ („Amicizia“) von Eduardo De Filippo. Alles Drama ist dabei nicht die einzige Devise. Tod, Betrug und Enttäuschung werden von bissiger Satire auf Liebe und Freundschaft begleitet.

Nicht nur Limonen, die vorzugsweise auf den Boden geschleudert werden, auch ein gleichfarbiger Pullunder zieht sich wie ein gelber Faden durch die drei Akte. Getragen wird er von Micuccio Fabbri, der auf der Bühne alle Phasen des Seins durchlebt und einmal von David Sitka, dann wieder von Carsten Süss gespielt wird. Erst als Kind, das den Selbstmord seiner Mutter aus Angst vor den Konsequenzen ihres Ehebruchs beobachtet. Spätestens im dritten Akt wird sich Micuccio mit ähnlichen Mitteln am Sohn des Liebhabers seiner Mutter gerächt haben.

Dazwischen liegt aber das fruchtige Herzstück, das dem Abend seinen Namen verleiht: Micuccio, in der Blüte seines Lebens, wird von der Operndiva Teresina (Rebecca Nelsen) verstoßen, deren Studium er finanziert hat. Und wieder rollen Limonen der Enttäuschung auf den Boden des Kasinos am Schwarzenbergplatz. Letzter, finaler Akt: Alberto, der beste Freund des mittlerweile schwer verwirrten Micuccio, wird an dessen Sterbebett abgewiesen. Verkleidet jedoch erfährt er schließlich eine unangenehme Wahrheit.

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Mit nur wenigen Requisiten kommen dabei Regisseurin Mascha Pörzgen und Ausstatterin Dietlind Konold aus - wohltuende Abwechslung zur sonst oft überfrachteten Volksopern-Bühne. Auch sonst scheint das Haus am Gürtel alles richtig gemacht zu haben in dieser Kooperation mit dem Burgtheater. Die Rolle des Zeitgenössischen steht der Volksoper gut. Hörbar wohl fühlte sich auch das von Gerrit Prießnitz dirigierte Kammerorchester, das selbst schwierige polyrhythmische Stellen nachvollziehbar machte.

Die neue Freiheit machte sich auch im Gesang breit. Ob die beiden Micuccio-Darsteller oder Morten Frank Larsen am Sterbebett, in den weiblichen Rollen glänzten Manuela Leonhartsberger als Anna im ersten Akt, Rebecca Nelsen und Ursula Pfitzner im zweiten sowie Birgid Steinberger im dritten. Der Applaus galt am Ende jedoch dem gesamten, beinahe familiär verbundenen Ensemble - und ein wenig der seltenen Rolle der Volksoper im Mikrokosmos des Zeitgenössischen .

(S E R V I C E - „Limonen aus Sizilien“ von Manfred Trojahn im Kasino am Schwarzenbergplatz in Kooperation mit der Volksoper. Regie: Mascha Pörzgen, Ausstattung: Dietlind Konold, Dirigent: Gerrit Prießnitz. Mit Morten Frank Larsen (Antonio Serra, Alberto Serra), David Sitka (Micuccio Fabbri), Carsten Süss (Andrea Fabbri, Micuccio Fabbri), Rebecca Nelsen (Giulia Fabbri, Teresina Marnis), Manuela Leonhartsberger (Anna, Dorina), Ursula Pfitzner (Marta Marnis), Birgid Steinberger (Carolina Fabbri), Daniel Ohlenschläger (Ferdinando). Weitere Aufführungen am 14., 16. 19., 20., 24., 26., 27. Februar sowie am 1. März. Karten unter Tel. 01/5131513. www.volksoper.at)




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