Letztes Update am Fr, 17.02.2017 16:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Uber und autonome Fahrzeuge? Bahnen sehen sich nicht bedroht



Paris/London (APA) - Die neuen Mobilitätstrends stellen für die Bahnen derzeit keine Gefahr dar, so die Conclusio einer Diskussion beim Internationalen Eisenbahn-Gipfel (IRS) am Freitag in Paris. Sowohl Uber als auch autonome Fahrzeuge auf der Straße - Autos oder Busse - können der Bahn als Massenverkehrsmittel in Ballungsräumen keine Konkurrenz machen, sondern würden das Angebot ergänzen, meinen die Experten.

Rückgrat des Verkehrssystems sei die Schiene: In London nutzen 79 Prozent der Personen, die in die Stadt zur Arbeit fahren, die Bahn, erläuterte Gareth Powell von Transport for London. Die britische Metropole werde laut Prognosen - mit oder ohne Brexit - weiter wachsen: Stündlich kommen neun neue Bewohner dazu, im Jahr 2030 sollen fast 10 Millionen Menschen in der Stadt leben. Die Beförderung auf der Straße seien schon jetzt Grenzen gesetzt, wie der tägliche Stau auf den Straßen zeige. Aus Sicht der urbanen Mobilität problematisch ist für den Briten der Trend, sich alles nach Hause liefern zu lassen, und dafür selber weniger auszugehen. Die Londoner Straßen würden dadurch zunehmend durch kleine Lieferwagen, die etwa Essen zu den Kunden liefern, verstopft.

Für eine Partnerschaft des öffentlichen Verkehrs mit Uber sprach sich Alain Flausch, Generalsekretär des Internationalen Verbands für öffentlichen Verkehr UITP aus. In Belgien sei Uber nach anfänglichem Widerstand nun bereit, bei einer integrierten Verkehrsplattform teilzunehmen.

Für den Großraum Paris sieht Franck Avice von der RATP, staatlicher Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris, ebenfalls keine Bedrohung durch Uber oder autonome Fahrzeuge. Zusätzlich zu den Einwohnern nutzen jährlich auch noch über 30 Millionen Touristen die Pariser Metro. Der Betreiber bemüht sich um innovative Informationssysteme: In acht Sprachen werden die Passagiere mit den neuen Bildschirm-basierten Systemen - ähnlich wie mit dem Smartphone - durch den Pariser Untergrund geleitet, schilderte er die neueste Innovation.

Die Zukunft autonomer Fahrzeuge ist für Christophe Sapet, Chef von NAVYA, bereits Gegenwart. Sein Unternehmen betreibt autonom fahrende Kleinbusse, die in der Schweiz und in Frankreich im Einsatz sind. Allerdings bewegen sich die autonom fahrenden Kleinbusse noch recht langsam mit maximal 45 km/h. Außerdem muss in jedem Fahrzeug eine Person mitfahren, die im Notfall eingreifen und das Fahrzeug zum Stehen bringen kann. Sapet sieht sein Angebot für den Bereich der ersten und letzten Meile einer Fahrt besonders geeignet, also etwa als Zubringer zum Bahnhof. Die Investoren glauben jedenfalls an die Firma: Im Oktober 2016 wurden 30 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt.




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