Letztes Update am Do, 09.03.2017 11:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


BZÖ-Wahlbroschüre - Gutachter sieht Nutzen vor allem beim BZÖ



Klagenfurt (APA) - Im Untreue-Prozess gegen die freiheitlichen (Ex-)Politiker Gerhard Dörfler, Uwe Scheuch, Harald Dobernig und Stefan Petzner am Landesgericht Klagenfurt war am Donnerstag Gutachter Georg Jeitler am Wort. Der Werbewert der inkriminierten Broschüre kam ihm zufolge zu mindestens 85 Prozent dem BZÖ und zu maximal 15 Prozent dem Land Kärnten zugute.

Die Landesgesellschaften, denen die „Standortbroschüre“ eigentlich zugutekommen sollte, profitierten praktisch überhaupt nicht, erklärte der Sachverständige. Er stellte „konzeptive, textliche und grafische Übereinstimmungen“ mit der Werbelinie des BZÖ fest. Zusätzlich legte Jeitler die Ergebnisse einer Marktforschungsstudie mit mehreren Befragungen vor. „Die Ergebnisse waren relativ klar.“ 83 Prozent der Befragten ordneten die Broschüre dem BZÖ zu, gefolgt von sieben Prozent, die ein FPÖ-Druckwerk sahen.

Als Standortbroschüre tauge das Druckwerk auf keinen Fall, meinte Jeitler. Es gebe keine Mehrsprachigkeit, die Zielgruppe sei mit der Versendung als Postwurf in Kärnten nicht erreicht worden, es fehlten Informationen über das Land, Kontaktdaten, ja sogar die grobe Lage Kärntens. „Es bleibt sogar offen, ob Kärnten überhaupt ein österreichisches Bundesland ist“, so der Sachverständige. Der als DVD mitverschickte Imagefilm tauge noch eher als Standortwerbung als die Broschüre. Im üblichen Geschäftsverkehr wäre dies ein Haftungsfall, meinte Jeitler. Eine Agentur, die so einen „Unfall“ produziere, müsste für eine Neugestaltung aufkommen.

Fachlich lobte er Petzners gute Gestaltung der Broschüre, die eine für Wahlkämpfe typische Dramaturgie aufweise. Zuerst zeige man Leistungen und dann am Ende die Politiker, daneben ein klares Versprechen mit Unterschrift. Die Broschüre habe eine „strategische Anlage als Wahlkampfmaßnahme“, auch wenn keine direkten Werbeappelle, kein Wahldatum und keine direkte Wahlempfehlung enthalten sei.

Generell meinte Jeitler: „Wenn Image-Werbung gemacht wird, kann das auch positive Effekte für einen Wahlkampf haben.“ Diese Strategie habe er auch bei untersuchten Inseraten des Landes festgestellt. Diese Image-Transfereffekte mache sich auch klassische Produktwerbung zunutze, etwa wenn es die Schokolade eines bestimmten Herstellers auch in einem Müsli gebe, erklärte der Experte. Die Versendung als Postwurf passe zu einer Wahlkampfmaßnahme.

In seinen Bewertungen sei er sehr vorsichtig gewesen und habe die für die Angeklagten günstigsten Werte in der Bandbreite angenommen, erklärte der Gutachter. Dabei sei der Werbewert für die Auftraggeber durch die Anpassung an die BZÖ-Werbelinie möglicherweise sogar negativ gewesen. Für eine öffentliche Körperschaft seien Objektivität, Neutralität und Sachlichkeit wichtige Markenwerte. Eine Vermischung mit einer Partei schade da. Das sei von ihm aber beim Werbewert nicht einberechnet worden. „Ich habe das zugunsten der Angeklagten nicht berücksichtigt“, erklärte Jeitler.

Nach der Befragung des Gutachters wurde die Verhandlung vertagt. Am Montag sollen die Angeklagten erneut befragt werden, ebenso die ehemaligen Geschäftsführer der Landesimmobiliengesellschaft LIG, Rene Oberleitner und Johann Polzer, die bereits eine Diversion erhalten haben. Ein Urteil könnte es nach weiteren Zeugenbefragungen am Donnerstag nächster Woche geben.

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