Letztes Update am So, 19.03.2017 12:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brustkrebskonferenz - Tumorschrumpfung vor Operation angestrebt 1



Wien (APA) - In Zukunft dürften mehr Brustkrebspatientinnen als bisher von einer medikamentösen Therapie zur Schrumpfung des Tumors vor der Operation profitieren als bisher. Dies ergibt sich aus jenen Leitlinien-Beschlüssen, welche 55 internationale Experten am Samstag bei der St. Gallen Brustkrebskonferenz in Wien gefasst haben.

An dem Kongress hatten seit vergangenem Mittwoch rund 3.000 Mammakarzinom-Experten aus 105 Ländern teilgenommen. Es handelt sich um eine alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung, bei der die Wissenschafter jeweils die zuvor publizierten aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse zum Thema von Brustkrebs im frühen Stadium diskutieren und bei der in einer Podiumsdiskussion am Ende schließlich ein Konsens über neue Fragen erzielt werden soll.

„Dieses Mal beriet das Expertengremium, das aus 55 Panel-Mitgliedern bestand, 140 Fragen“, sagte Michael Gnant, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie (MedUni Wien/AKH), gegenüber der APA. Vor zwei Jahren war die St. Gallen Brustkrebskonferenz vor allem aus Platzgründen zum ersten Mal nach Wien übersiedelt. „2019 und 2021 wird sie ebenfalls in Wien stattfinden“, berichtete Gnant, auch Präsident der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG).

Einige der Konsensus-Beschlüsse, welche die Konferenz am Samstag fällte, könnten wesentliche Auswirkungen auf die Therapie von Brustkrebs im frühen Stadium für die Zukunft haben. „In Zukunft sollen alle Patientinnen, bei denen ein HER2-positives oder ein sogenanntes Triple-negatives Mammakarzinom festgestellt wird, schon vor der Operation eine medikamentöse Therapie zur möglichst starken Verkleinerung des Tumors erhalten“, berichtete Gnant.

Bei HER2-positiven Tumoren finden sich an der Oberfläche der Krebszellen vermehrt Rezeptoren für einen Zellwachstumsfaktor (EGFR). Triple-negative Mammakarzinome weisen weder vermehrt HER2-Rezeptoren noch Östrogen- oder Progesteron-Rezeptoren auf (sogenannte hormonabhängige Mammakarzinome). Das von den internationalen Experten nun generell präferierte Vorgehen mit einer medikamentösen Therapie beim frühen Mammakarzinom (HER2-positiv oder Triple-negativ) wird in Österreich schon seit einiger Zeit angewendet, berichtete der Chirurg. „Insgesamt betrifft das etwa ein Drittel aller neu diagnostizierten Mammakarzinom-Patientinnen“, sagte er zur Bedeutung dieser Empfehlung.




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