Letztes Update am Do, 13.04.2017 16:50

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Agrokor-Krise: Slowenien schützt Handelskette Mercator mit Gesetz



Ljubljana/Zagreb (APA) - Infolge der Schuldenkrise im kroatischen Großkonzern Agrokor, der unter staatlicher Aufsicht saniert wird, will nun die slowenische Regierung intervenieren, um Agrokors slowenische Handelstochter Mercator vor der Ausbeutung durch den Mutterkonzern zu schützen. Mit einem Gesetz soll das Geldabfluss aus systemrelevanten Unternehmen in Slowenien zu insolventen Besitzer verhindert werden.

Das in den Medien als „Lex Mercator“ benannte Gesetz sieht die Bestellung eines außerordentlichen Vorstandsmitglieds vor. Dieses von der Regierung bestelltes Vorstandsmitglied würde nur für Geschäfte mit seinem Besitzer zuständig sein und nichts mit dem regulären Geschäft zu tun haben, wie der Wirtschaftsminister Zdravko Pocivalsek nach der Regierungssitzung am Donnerstag erklärte.

Das Gesetz, das im Parlament in einem Eilverfahren verabschiedet werden soll, soll für systemrelevante Unternehmen gelten. Laut dem Minister sind das Unternehmen mit mindestens 6.000 Beschäftigten und 1 Mrd. Euro Umsatz. Sollte sich der Mehrheitsbesitzer eines solchen Unternehmens in Insolvenzverfahren befinden, könne das Gesetz aktiviert werden, so der Minister. Berichten zufolge würden nur wenige Unternehmen in Slowenien diesen Kriterien entsprechen.

Der Schritt der slowenischen Regierung folgt nichtbestätigten Spekulationen, wonach der überschuldete Agrokor Geld aus Mercator abfließen lassen würde. Der Wirtschaftsminister deutete bereits vor kurzem an, dass Slowenien das Geschäft und die Arbeitsplätze von Mercator mit einem Gesetz schützen könnte.

Wie der Minister betonte, sei das Geschäft von Mercator „derzeit stabil“. Mit dem Gesetzesvorschlag wolle man „keine Beunruhigung verursachen“, sagte Pocivalsek. Die Handelskette, die 2014 von Agrokor übernommen wurde, sollte laut eigenen Zusicherungen finanzielle Probleme des Mutterkonzerns nicht zu spüren bekommen. Eine Vereinbarung mit den Gläubigerbanken soll nämlich Mercator bis 2020 finanzielle Unabhängigkeit sichern.

In Kroatien soll unterdessen Agrokor die dringend nötigen Liquidationsmittel bekommen. Fünf kroatische Banken sagten dem Konzern einen Kredit von 80 Mio. Euro zu, wie am Mittwoch der staatlicher Sanierer Ante Ramljak verkündete. Welche Banken sich daran beteiligen, enthüllte er nicht, allerdings sich alle Großbanken im ausländischen Besitz. Zur den größten Gläubigerbanken gehören auch die kroatischen Tochterbanken von österreichischen Geldinstituten, nämlich der Erste und Raiffeisen, sowie die UniCredit-Tochter Zagrebacka banka.

Mit den Agrokors größten Kreditgeber, der russischen Sberbank, wird unterdessen über einen neuen Kredit noch verhandelt. Früheren Ankündigungen zufolge sollten die Banken dem Konzern insgesamt 150 Mio. Euro frisches Kapital bereitstellen.




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