Letztes Update am Fr, 21.04.2017 14:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Oö. „Freie Milch“-Bauern dürften immer noch in der Luft hängen



Linz/Gmunden/Wels (APA) - Die 35 oberösterreichischen Milchbauern, die mit der Schließung der Milchhandelsgesellschaft Alpenmilch Logistik (vormals Freie Milch Austria) seit April ohne Liefervertrag da stehen, dürften zumindest großteils immer noch in der Luft hängen. „Einige haben um Aufnahme bei Molkereien angesucht“, teilte Michael Wöckinger von der Landwirtschaftskammer OÖ mit. Eine Antwort lässt auf sich warten.

Bei Berglandmilch gingen ständig Anträge auf Neuaufnahmen von Lieferanten ein, ob darunter ehemalige „Freie Milch“-Bauern seien, könne er nicht sagen, erklärte Geschäftsführer Josef Braunshofer auf Anfrage der APA. Generell werde jeder einzelne Antrag „genau angeschaut“. Seit Februar dieses Jahres herrsche jedoch ein Aufnahmestopp, da „die Milchmenge der eigenen Bauern so hoch ist wie noch nie und wir an unsere Grenzen stoßen“, meinte er. Der Geschäftsführer der Alpenmilch Logistik, Johann Furtmüller, hielt hingegen vergangene Woche der größten Molkereigenossenschaft Österreichs vor, mit der Nichtaufnahme der vertragslosen Bauern „ein Exempel statuieren“ zu wollen, denn die zusätzliche Milchmenge mache weniger als die Anliefer-Tagesschwankung aus. Braunshofer dazu: „Ich will weder jemanden bestrafen noch belohnen.“ Es gehe um „Rohstoffe und Rohstoffsicherung“, dies sei ein“ emotionsloses Thema“.

Am Freitag hat sich auch die Politik in den ungelösten Fall eingeschaltet. SPÖ-Agrar-Sprecher Erwin Preiner appellierte an die „relevanten Entscheidungsträger, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den bäuerlichen Familien die Möglichkeit zur Sicherung ihrer Existenzgrundlage zu schaffen“.

Die Alpenmilch Logistik hatte im September 2016 informiert, dass der Betrieb mit Ende März 2017 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wird. Die von „Milchrebellen“ rund um die IG-Milch im Jahr 2008 ins Leben gerufene alternative Milchhandelsgesellschaft „Freie Milch Austria“ (später Alpenmilch Logistik GmbH) machte der niedrige Milchpreis und die Molkerei-Konzentration in Österreich zu schaffen. Im April läuft noch ein Notbetrieb zur Milchabholung. Seitdem versuchen die insgesamt 37 betroffenen Milchbauern einen Abnahmevertrag mit in der Region tätigen Molkereien zu bekommen. In Oberösterreich befinden sich laut Alpenmilch Logistik im Abholgebiet von Berglandmilch 27 Lieferanten, acht im Gebiet von Gmundner Milch. Zwei „Freie Milch“-Bauern befinden sich im Sammelgebiet der niederösterreichischen NÖM.




Kommentieren