Letztes Update am Fr, 21.04.2017 15:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Milchpulvererzeuger Prolactal mit kräftiger Umsatzsteigerung



Hartberg/St. Georgen am Ybbsfelde (APA) - Der Milchpulvererzeuger Prolactal hat seinen Umsatz durch eine Neuausrichtung und zusätzliche Absatzmärkte auf zuletzt 160 Mio. Euro kräftig gesteigert. Die zur israelischen ICL-Gruppe gehörende Firma mit Werk im steirischen Hartberg sei in den vergangenen sechs Jahren „zum profitabelsten milchwirtschaftlichen Betrieb Österreichs“ geworden, sagte Geschäftsführer Johann Tanzer im APA-Gespräch.

Zum genauen Ergebnis hielt sich der scheidende Firmenchef bedeckt, er erklärte lediglich, das Unternehmen sei „sehr gut unterwegs“ und das Ergebnis liege „weit über dem österreichischen Durchschnitt in der Milchwirtschaft und in der Lebensmittelbranche“. Der Umsatz von Prolactal (ohne das Tochterunternehmen Rovita in Bayern) erhöhte sich von rund 100 Mio. Euro im Jahr 2015 auf 160 Mio. im Vorjahr, davon entfielen 146 Mio. Euro auf Hartberg. Da das Werk in Österreich laut Tanzer „voll ausgelastet“ war, wurde ein Teil am Sitz der Tochter Rovita in Engelsberg (Bayern) produziert. Deren Umsatz erhöhte sich im Jahresabstand von 45 auf 49 Mio. Euro 2016.

Der Exportanteil von Prolactal (ohne Rovita) liegt bei 95 Prozent, 70 Prozent des Umsatzes werden in Asien und Ozeanien gemacht, der Rest in Europa. Rechnet man die Tochter Rovita mit ein, werden 75 Prozent exportiert.

In die Schlagzeilen kam Prolactal mit listerienverseuchtem Quargel 2010, acht Menschen in Österreich und Deutschland starben nach dem Konsum des Käses. Nach einem gerichtlichen Nachspiel und einem Vergleich mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) „ist das für Prolactal alles abgeschlossen“, erklärte Tanzer. Er stieg im Jahr 2011 als Sanierer in der Funktion des Geschäftsführers und 2012 als Gesellschafter bei Prolactal ein. Das Unternehmen befand sich in einer Schieflage, der Umsatz sackte auf 34 Mio. Euro 2011 ab. „Das Hauptgeschäft war damals, Milch zu trocknen. Hier war nichts zu verdienen, dementsprechend schlecht ist das Geschäft gelaufen“, meinte Tanzer rückblickend. Das Unternehmen wurde auf die Zerlegung der Milch in die Milchinhaltsstoffe, deren Trocknung und Herstellung von Pulvermischungen für die Lebensmittelindustrie mit Hauptaugenmerk auf Bio neu ausgerichtet, der Teilbereich Quargel verkauft.

Prolactal zerlegt mit Hilfe von Filtrationstechniken Milch in ihre Inhaltsstoffe. Die Erzeugnisse - etwa Kasein, Molkenproteine oder Laktose - werden in nativer Form als Pulver an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie geliefert, die diese zur Herstellung von Proteindrinks, Babynahrung oder Joghurts verwendet. Seit 2012 gehört die Tochter Rovita zum Unternehmen, deren Erzeugnisse u.a. für vegetarische Wurst genutzt werden. Prolactal setzt dabei auf eine Nische: „Wir beschäftigen uns mit Produkten, die in der Milchwirtschaft nicht Standard sind“, erklärte Tanzer. Die Milch kommt von Molkereien aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich. Der Bioanteil macht bei Prolactal mittlerweile 80 Prozent aus, besonders in China sieht Tanzer eine wachsende Nachfrage nach Bio-Babynahrung.

2015 wurde Prolactal an die börsenotierte ICL Food Specialities aus Tel Aviv verkauft, Tanzer blieb als Geschäftsführer an Bord. Die ICL-Gruppe beschäftigt weltweit rund 13.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Vorjahr einen Umsatz von 5,4 Mrd. US-Dollar (5,03 Mrd. Euro). Der Personalstand von Prolactal in Hartberg stieg von 2011 auf 2016 von 60 auf 170 Beschäftigte, bei Rovita blieb die Mitarbeiterzahl mit 80 annähernd gleich. „Die zukünftige Entwicklung hängt von der Investitionsbereitschaft des Eigentümers ab“, erklärte Tanzer, bisher Vice President Food ICL und Geschäftsführer von Prolactal und Rovita. Er verlässt nun die ICL-Gruppe und konzentriert sich künftig auf sein Unternehmen VeggieMeat mit Sitz in St. Georgen am Ybbsfelde (Bezirk Amstetten). Eine Rückkehr in die Milchwirtschaft möchte Tanzer aber nicht ausschließen. Rene Krebs, CEO ICL Food, ist seit einigen Monaten zweiter Geschäftsführer der Prolactal und wird weiter die Geschicke führen.

VeggieMeat stellt unter der Marke „vegini“ vegane Produkte - u.a. „Pulled Chunks“, „Cubes“, „Burger“, „Nuggets“ und zukünftig Snacks - auf der Basis von Erbsenproteinen her, die Entwicklung läuft seit 2012. „Wir sind jetzt im Hochfahren“, erklärte Tanzer, der gemeinsam mit Andreas Gebhart, ehemaliger Leiter der Forschung und Entwicklung bei Rovita, die Geschäftsführung innehat. Abgesetzt werden die Produkte derzeit über Food Service-Partner, im Handel sei die Marke mittlerweile österreichweit bei Interspar gelistet. Derzeit werden am Standort in Niederösterreich rund 20 Mitarbeiter beschäftigt, in den nächsten ein bis zwei Jahren soll der Personalstand auf 40 bis 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. Der Fokus liege vorerst auf Europa, als zukünftige Absatzmärkte nannte Tanzer den Nahen Osten und die USA.




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