Letztes Update am Fr, 05.05.2017 09:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Im armenischen Gyumri hat Österreich einen guten Namen



Gjumri (APA) - Aus einem Hilfsprojekt für die 1988 von einer Erdbebenkatastrophe heimgesuchte nordarmenische Stadt Gyumri ist eine nachhaltige medizinische Einrichtung geworden. Das Kinder- und Mütterspital in Gyumri ist Jahrzehnte später Anlaufstelle für fast 3.000 stationäre und rund 10.000 ambulante Patienten aus der ganzen Region.

Mehr als 25 Jahre nach dem verheerenden Beben, das 25.000 Menschenleben kostete, eine Million Menschen in der Region obdachlos machte und 90 Prozent der Häuser zerstörte, sind die Kontakte mit österreichischen Behörden und Spitälern aufrecht, um alles auf dem neuesten Stand zu halten - Operationen durch namhafte Ärzte, Ausstattung mit medizinischen Geräten, wie der ärztliche Leiter Ashot Kurghinyan, ein Chirurg, bei einem Rundgang schildert.

Das Spital verfügt über viele Spezialabteilungen, von Gynäkologie und Geburtshilfe bis zu Chirurgie und Behindertenbetreuung. Neu errichtet wurden ein Prothesenlabor und eine Diabetesstation; Insulin ist gratis. 75 Schwestern und 32 Ärzte kümmern sich um das Wohl der kleinen Schützlinge. Eine staatliche Krankenversicherung existiert in Armenien nicht. Die Behandlung ist für Kinder bis zu sieben Jahren gratis. Mütter und Väter bleiben in den Stationen, haben in den Krankenzimmern Betten neben ihren Kindern und Kochgelegenheiten.

Laut Kurghinyan wurde mit dem Gesundheitsministerium in Wien ein Memorandum unterzeichnet, wonach Armenien für die Bauarbeiten aufkommt und Österreich für Geräte und Ausbildung sorgt. Die armenische Regierung stellt sicher, dass die Ausrüstung unverzollt eingeführt wird. Besondere Beziehungen bestehen mit dem Spital in Scheibbs (NÖ), ein Sonderprojekt (Operationen) mit den Barmherzigen Schwestern in Linz.

Eine wichtige NGO der Region ist die in Gyumri ansässige Caritas Armenien. 1995 als Büro mit zwei Personen eröffnet, hat die Zentrale heute 150 Mitarbeiter. 45 Projekte laufen in vier Regionen, erzählt Programmdirektorin Anahit Gevorgyan. 150.000 Menschen erhalten Hilfe. Alte, Kinder, Behinderte werden betreut, für Heizen und Lebensmittel wird gesorgt. Ein eigenes Projekt ist auf armenische Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak fokussiert, die auf rund 15.000 geschätzt werden, ein anderes auf den Kampf gegen Frauenhandel.

Von den drei Millionen Einwohnern Armeniens gelten 35 Prozent als arm. Doch die sozialen Dienste des Staates haben ein sehr niedriges Niveau, heißt es im Caritas-Büro. Derzeit werde in der Regierung eine Strategie zur Kooperation mit den Nicht-Regierungs-Organisationen erarbeitet.

„Bis heute sind nicht alle Wunden geheilt“, schildert Diözesanbischof Mikael Ajapahyan die Leiden der früheren Hauptstadt Leninakan, die 1926 und 1988 große Beben erlitt. Zu Sowjetzeiten 1938 schloss die KPdSU alle Kirchen, nur je eine in Gyumri und im Etschmiadzin blieb geöffnet. „Gjumri ist die religiöse Hauptstadt, der Etschmiadzin das spirituelle Zentrum Armeniens.“ Christsein gehöre zur nationalen Identität. Der Bischof hebt auch die enge Verbundenheit der jungen Generation mit der Kirche hervor.

Gyumri hat als einzige Stadt Armeniens zwei Bischöfe. Die Katholiken litten schwer unter den Sowjets, ihre Kirche war verboten, viele Gläubige wechselten zur Apostolischen Kirche. Die Gemeinden waren vom Geheimdienst KGB infiltriert. Nach dem KP-Sturz wurden die katholischen Pfarren mit Priestern aus dem Ausland neu errichtet. Bischof Mikael: Die große Armut der Region - mit der höchsten Arbeitslosenrate Armeniens und 40 Prozent Armen - sei „eine große Herausforderung für die Kirche“. Diese hilft bei der Beschaffung von Unterkünften und Jobs.




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