Letztes Update am Mi, 10.05.2017 15:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Versöhnliche Töne aus Rumänien nach Angriffen gegen Konzerne



Bukarest/Wien (APA) - Als „einen der für Österreich profitabelsten Märkte in dieser Region“ hat der rumänischen Premierminister Sorin Grindeanu sein Land in Gesprächen in Wien am Dienstag angepriesen. Die „Erfolgsstory“ österreichischer Unternehmen wie Erste Group, RBI, Uniqa, OMV und Strabag sei nicht zuletzt „auch den günstigen Geschäftsbedingungen“ in Rumänien zu verdanken, zitieren ihn rumänische Medien.

Und das Wirtschaftsblatt „Bursa“ schrieb am Mittwoch unter Berufung auf den Wirtschaftsminister Alexandru Petrescu, die rumänische Unternehmen beabsichtigten, Österreich verstärkt als „Eingangstor zu den deutschsprachigen Märkten“ zu nutzen.

Solche Töne klingen einigermaßen überraschend, nachdem Liviu Dragnea, der als allmächtig geltende Vorsitzende der sozialdemokratischen Regierungspartei und somit parteipolitische Vorgesetzte Grindeanus, gleichzeitig auch Präsident der Abgeordnetenkammer, noch im Februar gegen „multinationale Firmen“ und ihre Vertreter, darunter den CEO der Raiffeisen Bank in Rumänien, gewettert hatte. Er verdächtigte die Konzerne der Ermutigung und sogar Finanzierung der Massendemonstrationen gegen Korruption und die sozial-liberale Regierungskoalition im Februar.

Zwar wies Erste-Group-Chef Andreas Treichl damals darauf hin, dass man an solche Attacken gewöhnt sei, und nicht daran glaube, dass die rumänische Politik so unverantwortlich sei, mit den österreichischen Banken auf die größte Finanzierungsquelle des Landes zu verzichten. Und er erwähnte auch, dass er wegen des rumänischen Wirtschaftswachstums eine positive Perspektive auf Rumänien habe. Doch trotz der souveränen Reaktion Treichls und der versöhnlichen Töne Grindeanus und seines Wirtschaftsministers herrscht nicht nur eitel Sonnenschein in den rumänisch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen.

Grindeanu rügte in Wien laut rumänischen Medienberichten die österreichische Holzindustrie Schweighofer: diese müsse das rumänische Forstgesetz und die legale Provenienz des verarbeiteten Holzes respektieren und einen „Dialog mit den Regierungsunabhängigen Organisationen aus diesem Bereich“ pflegen. Umweltschützer hatten das Unternehmen wegen angeblich illegal in Rumänien geschlägerten Holzes kritisiert, weswegen Schweighofer einen bekannten Umweltschützer zur Überwachung der Holzarbeiten bestellte und Waldschutzzonen einrichten will.

Grindeanu traf in Wien auch mit einem Vertreter des österreichischen Energiekonzerns OMV zusammen. Ende April war bekannt worden, dass die OMV Rumänien wegen eines Bruchs des Petrom-Privatisierungsvertrages klagt. Bukarest weigere sich, für Schulden in Höhe von 34 Mio. Euro für die Beseitigung historischer Umweltschäden und Altlasten aus der Zeit der staatlichen Petrom aufzukommen, lautet der Vorwurf. Was bei den Wiener Gesprächen besprochen wurde, war zunächst nicht zu erfahren. Laut Medienberichten will OMV Petrom dennoch ihre Investitionen 2017 um 83 Prozent auf 4,56 Mrd. Lei (1,01 Mrd. Euro) erhöhen.

Grindeanus Österreich-Reise wird in den rumänischen Medien vor allem von Wirtschaftsjournalisten eine rundum positive Bedeutung beigemessen. Denn Österreich steht in Rumänien an zweiter Stelle gleich nach den Niederlanden und vor Deutschland, was Auslandsinvestitionen angeht. Das rumänische Banken- und Versicherungswesen, die Energiewirtschaft und der Bausektor sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze seien ohne die österreichischen Unternehmen wie Erste Group, Raiffeisen Bank International, Uniqa, OMV und Strabag nicht vorstellbar. Das siebentgrößte Land der EU sei zudem ein nicht zu unterschätzender Handelspartner, unterstreichen die Zeitungen „Ziarul Financiar“ und „Bursa“.

Dass Rumänien am 1. Jänner 2019 die EU-Präsidentschaft von Österreich übernimmt, wird als weiteres Argument für eine enge Zusammenarbeit und nicht ohne gewissen Stolz kommentiert. Premier Grindeanu stellte zudem für den Herbst dieses Jahres die Möglichkeit eines Gegenbesuchs von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in Bukarest in Aussicht.




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