Letztes Update am Mo, 15.05.2017 13:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowakei ändert Finanzierung von Volksgruppenkultur



Bratislava (APA) - Die Slowakei führt ein neues Modell der Finanzierung der Kultur von Minderheiten ein. Ab Juli werden staatliche Unterstützungsgelder über einen neu eingerichteten Fonds verteilt, wobei die 13 anerkannten Minderheiten im Land ihre eigenen Vertreter in zuständige Auswahlkommissionen nominieren und somit über die Finanzen großteils selbst entscheiden, berichtete am Montag die Tageszeitung „Pravda“.

Die politische Vertretung der ungarischen Minderheit in der Slowakei, die mitregierende Partei Most-Hid (Brücke), wertete die Schaffung des Fonds als „Ausweitung von Minderheitenrechten“ im Land. In gewisser Form werde damit „kulturelle Autonomie“ nationaler Minderheiten eingeführt, so Konrad Rigo (Most-Hid), Staatssekretär im Kulturministerium. Gerade in Zeiten von zunehmendem Extremismus in Europa habe dies besondere Symbolik, meinte er.

Eine entsprechende Gesetzesvorlage wurde vergangene Woche bereits vom Parlament in Bratislava angenommen. Demnach wird der staatliche Beitrag für die Unterstützung der Kultur nationaler Minderheiten zugleich auf acht Millionen Euro jährlich verdoppelt. Der größte Anteil von 53 Prozent ist für die Minderheit der Ungarn in der Slowakei, die größte im Land, vorgesehen, rund 22 Prozent werden die Roma, die zweitgrößte Minderheit, bekommen. Eine verbesserte und markant höhere Finanzierung werde auch eine größere Stabilität des ganzen Unterstützungssystems bringen, erklärte Abel Ravasz (Most-Hid), Regierungs-Beauftragter für die Roma-Minderheit der Slowakei.

Die Ungarnpartei Most-Hid kann sich damit einen weiteren Erfolg zuschreiben. Kürzlich hatte diese bereits zweisprachige Bahnhofsbezeichnungen in Slowakisch und Ungarisch durchgesetzt und damit einen jahrelangen Streit im Land beendet. Nach den jüngsten Parlamentswahlen 2016 war Most-Hid überraschend eine Koalition mit der sozialdemokratischen Smer (Richtung) von Premier Robert Fico und der rechtspopulistischen Slowakischen Nationalpartei (SNS) eingegangen, wofür sie teils heftig kritisiert worden war.




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